Woher stammt die Definition von Wahnsinn?
Die Spur führt nicht nach Princeton, sondern in die Selbsthilfegruppen der Suchtkranken. Am 11. Oktober 1981 berichtete eine Lokalzeitung in Knoxville im US-Bundesstaat Tennessee über ein Treffen der Al-Anon-Familiengruppen. Dort zitierte eine Teilnehmerin den Satz: Wahnsinn sei, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. Im November 1981 tauchte eine ganz ähnliche Fassung in einer Broschüre der Narcotics Anonymous auf.
1983 verwendete die Schriftstellerin Rita Mae Brown den Satz in ihrem Roman „Sudden Death“. Mit Albert Einstein wurde er erst um 1990 in Verbindung gebracht, also rund 35 Jahre nach seinem Tod.
Ist das Einstein-Zitat über Wahnsinn echt?
Nein. In Einsteins Briefen, Reden und Schriften gibt es keinen Beleg für diesen Satz. Das Standardwerk „The Ultimate Quotable Einstein“ der Princeton University Press führt ihn ausdrücklich unter den Zitaten, die Einstein fälschlich zugeschrieben werden. Wer ihn tatsächlich zuerst gesagt hat, ist unbekannt. In den Zwölf-Schritte-Gruppen wurden solche Sätze mündlich weitergegeben, ohne dass jemand einen Namen notierte.
Was die Definition von Wahnsinn wirklich meint
Dass der Satz aus der Suchthilfe stammt, macht ihn eher stärker als schwächer. Dort beschreibt er ein Muster, das fast jeder kennt: Wir hoffen, dass es diesmal anders läuft, obwohl wir nichts anders machen. Die nächste Diät nach demselben Plan, das nächste Gespräch mit denselben Vorwürfen, der nächste Montag mit denselben guten Vorsätzen.
Streng genommen ist das natürlich kein Wahnsinn im medizinischen Sinn. Gemeint ist eine Denkfalle. Gewohnheiten fühlen sich sicher an, auch wenn sie uns nicht weiterbringen, und Veränderung fühlt sich riskant an, selbst wenn die Tür längst offen steht. Genau das zeigt unser Bild: Der Hamster rennt, so schnell er kann, und bemerkt den Ausgang direkt neben sich nicht. Mehr über den echten Einstein und seine tatsächlichen Gedanken liest du in unserem großen Porträt über Albert Einstein.
Deine Heldenimpulse
Finde dein Hamsterrad
Der erste Schritt raus aus dem Rad ist, es überhaupt zu sehen. Denk an eine Sache, die du immer wieder versuchst und die nie wirklich klappt: die Diät, die nach zwei Wochen endet, der Streit, der sich jede Woche wiederholt, der Vorsatz, früher aufzustehen. Schreib sie auf, zusammen mit dem, was du jedes Mal gleich machst. Allein das schwarz auf weiß zu sehen, schafft Abstand. Du bist nicht mehr nur der Hamster, der rennt, sondern auch derjenige, der von außen auf das Rad schaut. Und erst von dort aus siehst du die offene Tür.
Ändere nur eine Stellschraube
Viele scheitern, weil sie auf einen Schlag alles ändern wollen und nach drei Tagen erschöpft aufgeben. Dabei reicht oft eine einzige Stellschraube, um ein ganz neues Ergebnis zu bekommen. Wenn du abends nie zum Sport kommst, verlege ihn auf morgens. Wenn ein Gespräch immer im Streit endet, beginne es mit einer Frage statt mit einem Vorwurf. Wenn du dich nicht aufraffen kannst, mach den ersten Schritt lächerlich klein, etwa nur die Sportschuhe anziehen. Eine kleine Änderung, die du durchhältst, schlägt jede große, die du nach einer Woche wieder aufgibst.
Miss, statt zu hoffen
Hoffnung ist ein schönes Gefühl, aber ein schlechter Plan. Wenn du einen neuen Weg ausprobierst, leg vorher fest, woran du in zwei Wochen merkst, ob er funktioniert: weniger Streit, zwei Kilo leichter, drei Trainingseinheiten pro Woche. Notier dir das Ziel und schau nach zwei Wochen ehrlich nach. Hat es geklappt, mach weiter. Hat es nicht geklappt, ist das kein Versagen, sondern eine wertvolle Information. Dann änderst du wieder eine Stellschraube. Das Einzige, was du nie tun solltest, ist gar nichts zu ändern und auf ein Wunder zu hoffen.

