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Albert Einstein

Albert Einstein wurde 1879 in Ulm geboren und veränderte mit der Relativitätstheorie unser Verständnis von Raum und Zeit. 1921 erhielt er den Nobelpreis für Physik. Trotz Weltruhm suchte er immer wieder die Ruhe: beim Segeln auf dem See, beim Geigespielen, in seinem einfachen Sommerhaus. 1922 schrieb er in Tokio auf einen Zettel, ein ruhiges und bescheidenes Leben bringe mehr Glück als die rastlose Jagd nach Erfolg. Hier findest du seine wichtigsten Lehren, inspirierende Zitate, Bücher und alles, was dir hilft, seine Weisheit in deinen eigenen Alltag zu bringen.

Wer war Albert Einstein?

Albert Einstein ist der berühmteste Wissenschaftler der Geschichte. Sein Gesicht mit den wilden weißen Haaren kennt fast jeder Mensch auf der Welt, seine Formel E = mc² steht auf T-Shirts, Tassen und Graffiti-Wänden. Und doch wissen die wenigsten, wer dieser Mann wirklich war: ein Schulabbrecher ohne Abitur, ein arbeitsloser Physiker, der sich als Hauslehrer durchschlug, ein Beamter dritter Klasse im Patentamt, der nebenbei das Weltbild der Physik umwarf. Ein Pazifist, der den Brief unterschrieb, der zur Atombombe führte, und es später bitter bereute. Ein Genie mit Schwächen, Zweifeln und einem unverschämt guten Humor.

In diesem Porträt erfährst du, woher Einstein kam, wie er zu seinen Entdeckungen fand, was die Relativitätstheorie und E = mc² in einfachen Worten bedeuten, wie hoch sein IQ wirklich war, was mit seinem Gehirn geschah, welche Zitate wirklich von ihm stammen und was du ganz konkret von ihm lernen kannst.

Steckbrief Albert Einstein
Geboren 14. März 1879 in Ulm
Gestorben 18. April 1955 in Princeton (USA), mit 76 Jahren
Todesursache Riss einer Erweiterung der Bauchschlagader (Aortenaneurysma)
Eltern Hermann Einstein und Pauline Einstein, geb. Koch
Geschwister Maria „Maja“ Einstein (1881–1951)
Ehefrauen Mileva Marić (1903–1919), Elsa Löwenthal (1919–1936)
Kinder Lieserl (1902), Hans Albert (1904–1973), Eduard (1910–1965)
Staatsangehörigkeit deutsch, staatenlos, schweizerisch, amerikanisch
Beruf Physiker, Professor
Bekannt für Relativitätstheorie, E = mc², Lichtquanten
Auszeichnung Nobelpreis für Physik 1921 (verliehen 1922)
Hobbys Geige spielen, Segeln

Albert Einsteins Lebenslauf in Stichpunkten

  1. 1879Geburt am 14. März in Ulm
  2. 1880Umzug der Familie nach München
  3. 1894Die Eltern ziehen nach Italien, Albert bricht das Gymnasium ab
  4. 1896Matura in Aarau, Beginn des Studiums am Polytechnikum Zürich
  5. 1902Stelle als technischer Experte am Patentamt in Bern
  6. 1903Heirat mit Mileva Marić
  7. 1905Wunderjahr: Lichtquanten, Atome, spezielle Relativitätstheorie, E = mc²
  8. 1909Erste Professur in Zürich
  9. 1914Umzug nach Berlin, Mitglied der Preußischen Akademie
  10. 1915Allgemeine Relativitätstheorie
  11. 1919Sonnenfinsternis bestätigt seine Theorie, Heirat mit Elsa
  12. 1922Verleihung des Nobelpreises für Physik (für das Jahr 1921)
  13. 1933Emigration in die USA, Institute for Advanced Study in Princeton
  14. 1939Unterschrift unter den Brief an Präsident Roosevelt
  15. 1940Amerikanische Staatsbürgerschaft
  16. 1955Tod am 18. April in Princeton

Die Wurzeln: Einsteins Vorfahren in Schwaben

Die Geschichte der Familie Einstein beginnt nicht in Ulm, sondern rund 80 Kilometer weiter südlich, in der kleinen oberschwäbischen Reichsstadt Buchau am Federsee, dem heutigen Bad Buchau. Dort lebte seit dem 16. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde, und schon im 17. Jahrhundert tauchen dort Menschen mit dem Namen Einstein auf. Als frühester bekannter Namensträger gilt ein Baruch Moses Ainstein, der als wahrscheinlicher Vorfahre Alberts angesehen wird. Über viele Generationen blieb die Familie in Buchau, handelte, arbeitete und war fest im Leben der Gemeinde verwurzelt.

Alberts Großeltern väterlicherseits hießen Abraham Einstein und Helene Moos. Ihr Sohn Hermann, Alberts Vater, wurde am 30. August 1847 in Buchau geboren. Hermann war ein freundlicher, eher ruhiger Mann mit einer Begabung für Mathematik, dem das Geld für ein Studium fehlte. Er wurde Kaufmann.

Die Familie der Mutter kam aus Jebenhausen, einem Ort, der heute zu Göppingen gehört. Alberts Großvater mütterlicherseits hieß ursprünglich Julius Derzbacher und nahm 1842 den Familiennamen Koch an. Gemeinsam mit seinem Bruder baute er in Cannstatt bei Stuttgart einen erfolgreichen Getreidehandel auf und brachte es zu beachtlichem Wohlstand. 1847 heiratete er Jette Bernheimer aus Cannstatt. Ihre Tochter Pauline, Alberts Mutter, kam am 8. Februar 1858 in Cannstatt zur Welt. Sie war musikalisch, gebildet, willensstark und brachte ihrem Sohn das Geigenspiel nahe, das ihn sein Leben lang begleiten sollte.

Hermann Einstein und Pauline Koch heirateten am 8. August 1876 in Cannstatt. Pauline war damals 18 Jahre alt. Die beiden zogen nach Ulm, wo Hermann an einem Bettfedergeschäft beteiligt war. Diese schwäbisch-jüdische Mischung aus Fleiß, Bodenständigkeit und Freude am Denken sollte die Welt verändern.

Geburtsort Ulm und Kindheit in München: der Junge, der spät sprach

Albert Einstein wurde am 14. März 1879 in Ulm geboren, im Haus Bahnhofstraße 20. Schon ein gutes Jahr später zog die Familie nach München, wo Hermann gemeinsam mit seinem Bruder Jakob die „Elektrotechnische Fabrik J. Einstein & Cie“ gründete. Die Firma stellte Dynamos und Beleuchtungsanlagen her und brachte elektrisches Licht in Teile Münchens. Albert wuchs also zwischen Kabeln, Generatoren und technischen Gesprächen auf. 1881 kam seine Schwester Maria zur Welt, die alle nur Maja nannten. Sie blieb ihm bis zu ihrem Tod 1951 eng verbunden.

Als Kind war Albert alles andere als ein Wunderkind. Er begann sehr spät zu sprechen, und wenn er sprach, wiederholte er Sätze oft leise für sich, bevor er sie laut sagte. Die Eltern machten sich Sorgen. Doch hinter der Stille arbeitete ein Kopf, der die Welt sehr genau beobachtete.

Zwei Erlebnisse prägten ihn besonders. Mit etwa fünf Jahren schenkte ihm sein Vater einen Kompass. Dass die Nadel wie von Geisterhand immer in dieselbe Richtung zeigte, egal wie er das Gerät drehte, ließ ihn nicht mehr los. Es musste etwas Unsichtbares im Raum geben, das die Nadel lenkte. Mit etwa zwölf Jahren bekam er ein Geometriebuch in die Hände, das er später sein „heiliges Geometriebüchlein“ nannte. Dass man mit reinem Denken Dinge beweisen konnte, die dann unumstößlich galten, war für ihn eine Offenbarung. Mathematik brachte er sich zu großen Teilen selbst bei, unterstützt von seinem Onkel Jakob und einem jungen Medizinstudenten namens Max Talmud, der regelmäßig bei der Familie zu Gast war.

Einstein in Ulm heute: Geburtshaus und Einstein-Brunnen

Ein Geburtshaus kannst du in Ulm leider nicht mehr besichtigen. Das Gebäude in der Bahnhofstraße wurde im Zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff 1944 zerstört. Heute erinnert ein Denkmal am früheren Standort an den berühmtesten Sohn der Stadt.

Viel bekannter ist der Einstein-Brunnen in der Nähe des Zeughauses. Der Bildhauer Jürgen Goertz schuf ihn 1984, und er ist alles andere als ein braves Denkmal: Aus einer Rakete schaut eine riesige Schnecke heraus, die Einsteins Kopf trägt und frech die Zunge herausstreckt. Der Brunnen spielt mit dem Gegensatz von rasendem Fortschritt und bedächtigem Denken, und er passt damit erstaunlich gut zu einem Mann, der die Zeit selbst relativ machte. Wenn du in Ulm bist, lohnt sich der kurze Abstecher.

Einsteins Zeugnis: War er wirklich schlecht in der Schule?

Vielleicht hast du schon gehört, Einstein sei in der Schule schlecht in Mathe gewesen. Das ist eine der hartnäckigsten Legenden überhaupt, und sie ist falsch. Einstein war in Mathematik und Physik seinen Mitschülern weit voraus. Was er dagegen hasste, war der Drill am Münchner Luitpold-Gymnasium: Auswendiglernen, Gehorsam, militärischer Ton. Lehrer, die nur Fakten abfragten, fand er unerträglich, und er machte daraus kein Geheimnis. Ein Lehrer soll ihm gesagt haben, allein seine Anwesenheit untergrabe den Respekt der Klasse.

Der Beweis liegt im Archiv: Sein Maturazeugnis der Kantonsschule Aarau von 1896 ist erhalten. Dass manche darin schlechte Noten sehen, liegt an einem Missverständnis. In der Schweiz ist die 6 die beste Note und die 1 die schlechteste, also genau umgekehrt wie in Deutschland.

Fach Note (Schweizer Skala) Entspricht in Deutschland etwa
Algebra 6 sehr gut
Geometrie 6 sehr gut
Physik 6 sehr gut
Geschichte 6 sehr gut
Deutsch 5 gut
Chemie 5 gut
Italienisch 5 gut
Geographie 4 ausreichend bis befriedigend
Französisch 3 mangelhaft

Einsteins einzige echte Schwäche war also Französisch. In Mathematik und Physik hatte er die Bestnote.

1894 verlor die Firma der Familie einen wichtigen Auftrag und geriet in Schwierigkeiten. Die Eltern zogen nach Italien, zuerst nach Mailand, dann nach Pavia. Albert sollte in München bleiben und sein Abitur machen. Er hielt es nur wenige Monate aus, verließ das Gymnasium ohne Abschluss und reiste seinen Eltern hinterher. Mit 16 Jahren war er also offiziell ein Schulabbrecher. Wenig später gab er sogar seine württembergische Staatsangehörigkeit auf, auch um dem deutschen Militärdienst zu entgehen, und war einige Jahre staatenlos.

Schweiz, Studium und die Jahre ohne Job

Einstein wollte am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich studieren, der heutigen ETH. Die Aufnahmeprüfung legte er zwei Jahre vor dem regulären Alter ab. In Mathematik und Physik glänzte er, in den allgemeinen Fächern wie Sprachen fiel er durch. Der Rektor riet ihm, zunächst die Matura nachzuholen. So landete Einstein an der Kantonsschule in Aarau, und dort erlebte er etwas Neues: eine Schule, die selbstständiges Denken förderte statt Gehorsam. Er blühte auf. In Aarau stellte er sich zum ersten Mal die berühmte Frage, die ihn nie wieder losließ: Wie würde die Welt aussehen, wenn man neben einem Lichtstrahl herfliegen könnte?

Von 1896 bis 1900 studierte er in Zürich Physik und Mathematik, um Fachlehrer zu werden. Er schwänzte viele Vorlesungen, las lieber selbst die großen Physiker seiner Zeit und ließ sich vor Prüfungen die Mitschriften seines Freundes Marcel Grossmann geben. In Zürich lernte er auch Mileva Marić kennen, die einzige Frau in seinem Studiengang, eine kluge serbische Physikstudentin. Die beiden wurden ein Paar.

Nach dem Diplom kam der Absturz. Einstein bewarb sich überall um eine Assistentenstelle an einer Universität und bekam nur Absagen. Er hielt sich mit Nachhilfestunden und Vertretungen als Hilfslehrer über Wasser. 1901 erhielt er die Schweizer Staatsbürgerschaft, aber keine feste Arbeit. Erst 1902 bekam er über die Vermittlung von Marcel Grossmanns Vater eine Stelle am Eidgenössischen Patentamt in Bern, als „technischer Experte dritter Klasse“. Im selben Jahr starb sein Vater Hermann in Mailand.

Das Patentamt wurde zum Glücksfall. Einstein prüfte Erfindungen, lernte, Ideen schnell auf ihren Kern zu reduzieren, und hatte nach Feierabend den Kopf frei. Mit seinen Freunden Maurice Solovine und Conrad Habicht gründete er einen Diskussionskreis, den sie scherzhaft „Akademie Olympia“ nannten. Sie lasen Philosophie und Physik, stritten bis tief in die Nacht und aßen dabei Wurst, Käse und Obst.

1905: das Wunderjahr, in dem ein Patentbeamter die Physik umschrieb

Was dann geschah, ist in der Wissenschaftsgeschichte beispiellos. Im Jahr 1905 veröffentlichte der 26-jährige Einstein, ohne Professur, ohne Labor und ohne Kontakte zu den großen Namen, mehrere Arbeiten, von denen jede einzelne für einen Platz in den Lehrbüchern gereicht hätte. Man nennt dieses Jahr sein „Annus mirabilis“, sein Wunderjahr.

  • Licht besteht aus Teilchen. Im März erklärte Einstein den sogenannten photoelektrischen Effekt: Licht verhält sich nicht nur wie eine Welle, sondern auch wie ein Strom aus kleinen Energiepaketen, den Lichtquanten. Für genau diese Arbeit bekam er später den Nobelpreis.
  • Atome sind real. Im Mai lieferte er die Erklärung für die zitternde Bewegung winziger Teilchen in Flüssigkeiten, die Brownsche Bewegung. Damit war endgültig gezeigt, dass es Atome und Moleküle wirklich gibt, was damals noch umstritten war. Im selben Jahr reichte er an der Universität Zürich seine Doktorarbeit ein.
  • Zeit ist relativ. Im Juni erschien „Zur Elektrodynamik bewegter Körper“, die spezielle Relativitätstheorie.
  • Masse ist Energie. Im September folgte ein kurzer Nachtrag von wenigen Seiten, in dem zum ersten Mal der Zusammenhang auftaucht, den die Welt heute als E = mc² kennt.

Das alles schrieb er neben einem Vollzeitjob, mit einem kleinen Sohn zu Hause und in einer winzigen Wohnung in der Berner Kramgasse. Wenn du also das nächste Mal denkst, du hättest keine Zeit für deine großen Ideen: Einstein hatte sie auch nicht. Er hat sie sich genommen.

Die Relativitätstheorie einfach erklärt

Die Relativitätstheorie gilt als kompliziert, aber ihr Kern lässt sich in zwei Gedanken fassen. Erstens: Die Naturgesetze sind für alle gleich, egal ob du stillstehst oder dich gleichmäßig bewegst. Zweitens: Licht ist immer gleich schnell, rund 300.000 Kilometer pro Sekunde, ganz egal, wie schnell du dich selbst bewegst.

Klingt harmlos, hat aber gewaltige Folgen. Wenn die Lichtgeschwindigkeit für jeden gleich ist, dann müssen sich andere Dinge anpassen, nämlich Zeit und Raum. Für jemanden, der sich sehr schnell bewegt, vergeht die Zeit langsamer als für jemanden, der ruht. Das nennt man Zeitdilatation. Und bewegte Gegenstände werden in Bewegungsrichtung kürzer. Zeit ist also nichts Festes, das überall gleich tickt. Sie hängt davon ab, wie man sich bewegt.

Ein berühmtes Gedankenspiel ist das Zwillingsparadoxon: Ein Zwilling fliegt mit einem Raumschiff fast mit Lichtgeschwindigkeit durchs All, der andere bleibt auf der Erde. Kommt der Reisende zurück, ist er jünger als sein Bruder. Das ist keine Science-Fiction, sondern im Kleinen tausendfach gemessen, zum Beispiel mit extrem genauen Atomuhren in Flugzeugen.

Einstein selbst erklärte die Relativität gern mit einem Augenzwinkern, und dieses Bild trifft den Kern besser als jede Formel:

Spezielle Relativitätstheorie (1905) Allgemeine Relativitätstheorie (1915)
Worum es geht Gleichförmige Bewegung, Raum und Zeit Schwerkraft und beschleunigte Bewegung
Kernaussage Lichtgeschwindigkeit ist für alle gleich, Zeit und Raum sind relativ Masse krümmt Raum und Zeit
Berühmte Folge Zeitdilatation, E = mc² Lichtablenkung, Schwarze Löcher, Gravitationswellen
Im Alltag Teilchenbeschleuniger, Kernenergie GPS-Navigation

Wie radikal Einstein über die Zeit dachte, zeigt ein Brief, den er kurz vor seinem eigenen Tod an die Familie seines verstorbenen Freundes Michele Besso schrieb. Für ihn als Physiker war die Trennung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nur eine Illusion, wenn auch eine hartnäckige.

E = mc² einfach erklärt: die berühmteste Formel der Welt

E = mc² bedeutet: Energie (E) ist gleich Masse (m) mal Lichtgeschwindigkeit (c) zum Quadrat. Masse und Energie sind also zwei Seiten derselben Medaille. Weil die Lichtgeschwindigkeit eine riesige Zahl ist und dann auch noch quadriert wird, steckt schon in winzigen Mengen Masse eine unvorstellbare Menge Energie.

Zeichen Bedeutung Einheit
E Energie Joule
m Masse Kilogramm
c Lichtgeschwindigkeit, rund 300.000.000 Meter pro Sekunde Meter pro Sekunde
c² Lichtgeschwindigkeit mal sich selbst, rund 90.000.000.000.000.000 Quadratmeter pro Quadratsekunde

Warum ausgerechnet die Lichtgeschwindigkeit? Weil sie die höchste Geschwindigkeit im Universum ist und Raum und Zeit miteinander verbindet. Sie wirkt in der Formel wie ein gigantischer Umrechnungsfaktor zwischen Masse und Energie.

Ein Beispiel: Würde man die Masse einer einzigen Büroklammer vollständig in Energie umwandeln, entspräche das etwa der Sprengkraft der Atombombe von Hiroshima. Genau diese Beziehung erklärt, warum die Sonne seit Milliarden Jahren leuchtet. In ihrem Inneren verschmelzen Wasserstoffkerne zu Helium, dabei geht ein kleiner Teil der Masse „verloren“ und wird als Licht und Wärme frei. Ohne E = mc² gäbe es keine Erklärung für das Sonnenlicht, aber auch keine Kernkraftwerke und leider auch keine Atombomben.

Die allgemeine Relativitätstheorie: zehn Jahre Kampf mit der Schwerkraft

Die spezielle Relativitätstheorie hatte einen Haken: Sie galt nur für gleichförmige Bewegung und ließ die Schwerkraft außen vor. Einstein wollte mehr. 1907 saß er im Patentamt, als ihm ein Gedanke kam, den er später den „glücklichsten Gedanken meines Lebens“ nannte: Wer frei fällt, spürt sein eigenes Gewicht nicht. Schwerkraft und Beschleunigung fühlen sich also gleich an. Aus dieser einfachen Beobachtung entwickelte er in jahrelanger Arbeit eine völlig neue Theorie der Gravitation.

Es wurde der härteste Kampf seines Lebens. Die nötige Mathematik beherrschte er zunächst nicht, und so holte er sich Hilfe bei seinem alten Studienfreund Marcel Grossmann, der ihn in die Geometrie gekrümmter Räume einführte. Einstein irrte sich, verwarf Ansätze, fing von vorne an. In der Zwischenzeit machte er Karriere: Professor in Zürich, dann in Prag, wieder Zürich und ab 1914 in Berlin, wo er Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften wurde und später das Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik leitete. Im November 1915, mitten im Ersten Weltkrieg und völlig erschöpft, legte er der Akademie schließlich die fertigen Feldgleichungen der allgemeinen Relativitätstheorie vor.

Die Kernidee: Schwerkraft ist keine geheimnisvolle Kraft, die über Entfernungen zieht. Masse krümmt den Raum und die Zeit um sich herum, und alles andere bewegt sich entlang dieser Krümmung. Stell dir ein gespanntes Tuch vor, auf das du eine Bowlingkugel legst. Das Tuch beult sich ein. Rollst du nun eine Murmel daran vorbei, läuft sie in einer Kurve um die Kugel herum. So kreist die Erde um die Sonne.

Der Beweis kam 1919. Bei einer totalen Sonnenfinsternis maßen britische Expeditionen unter Arthur Eddington, dass das Licht ferner Sterne von der Sonne abgelenkt wurde, und zwar genau so stark, wie Einstein es vorhergesagt hatte. Die Zeitungen überschlugen sich, die Londoner „Times“ titelte von einer Revolution in der Wissenschaft. Über Nacht wurde aus dem Physiker Einstein ein Weltstar, der erste Wissenschaftler, der wie ein Popstar gefeiert wurde.

Wofür bekam Einstein den Nobelpreis?

Den Nobelpreis für Physik erhielt Einstein für das Jahr 1921, überreicht wurde er erst 1922, weil das Komitee 1921 zunächst niemanden auszeichnete. Viele glauben, er habe ihn für die Relativitätstheorie bekommen. Das stimmt nicht. Die Relativitätstheorie war dem Komitee noch zu umstritten. Ausgezeichnet wurde er für seine Verdienste um die theoretische Physik und besonders für die Erklärung des photoelektrischen Effekts, also für die Lichtquanten aus dem Wunderjahr 1905.

Das Preisgeld behielt er nicht. Schon bei der Scheidung hatte er vereinbart, dass es an Mileva und die gemeinsamen Söhne geht, und so geschah es auch.

Einstein reiste nun um die ganze Welt: USA, Japan, Palästina, Südamerika. 1922 in Tokio schrieb er einem Hotelboten, dem er kein Trinkgeld geben konnte, zwei Notizen. Fast hundert Jahre später wurde einer dieser Zettel für über eine Million Dollar versteigert. Darauf stand dieser Gedanke:

Zitatbild mit dem Zitat von Albert Einstein: Stilles bescheidenes Leben gibt mehr Glück als erfolgreiches Streben, verbunden mit beständiger Unruhe.
Stilles bescheidenes Leben

Den Ruhm selbst nahm Einstein mit Humor. Er sagte einmal sinngemäß, zur Strafe für seine Verachtung von Autoritäten habe das Schicksal ihn selbst zu einer Autorität gemacht.

Einsteins Frauen: Mileva Marić und Elsa Einstein

1903 heirateten Albert und Mileva in Bern. Mileva war eine begabte Physikerin, die einzige Frau in Einsteins Studiengang, und in den frühen Jahren diskutierten die beiden viel über Physik. Ob und wie stark sie an seinen Arbeiten von 1905 mitgewirkt hat, wird bis heute diskutiert. Belege für eine Mitautorschaft gibt es nicht, aber sicher ist: Sie war seine wichtigste Gesprächspartnerin in dieser Zeit, und sie gab ihre eigene wissenschaftliche Laufbahn weitgehend auf.

Die Ehe zerbrach, als Einstein 1914 nach Berlin ging. Mileva kehrte mit den Söhnen nach Zürich zurück, 1919 wurden die beiden geschieden. Noch im selben Jahr heiratete Einstein seine Cousine Elsa Löwenthal, die ihn während einer schweren Krankheit gepflegt hatte. Elsa managte seinen Alltag, schirmte ihn vor Besuchern ab und genoss die Rolle an der Seite des Weltstars. Sie starb 1936 in Princeton. Treu war Einstein in keiner seiner Ehen, auch das gehört zur Wahrheit.

Wer die Geschichte aus Milevas Sicht erleben möchte, findet sie im Roman „Frau Einstein“ von Marie Benedict. Es ist eine erzählte Geschichte und keine Biografie, aber sie macht nachvollziehbar, was es hieß, als Frau um 1900 Physik zu studieren.

Hans Albert, Eduard und Lieserl: Einsteins Familie

Einstein hatte drei Kinder. Das erste, eine Tochter namens Lieserl, kam 1902 vor der Ehe in Milevas Heimat zur Welt. Einstein hat sie vermutlich nie gesehen. Was aus ihr wurde, ist bis heute unbekannt. Wahrscheinlich starb sie als Kleinkind an Scharlach oder wurde zur Adoption freigegeben.

Hans Albert Einstein, geboren 1904 in Bern, wurde wie sein Vater Wissenschaftler, allerdings Ingenieur statt Physiker. Er war ein international anerkannter Experte für Wasserbau und Flussströmungen und lehrte als Professor an der University of California in Berkeley. Das Verhältnis zum Vater war lange angespannt, vor allem wegen der Scheidung, besserte sich aber im Alter. Hans Albert starb 1973.

Eduard, der jüngere Sohn, geboren 1910, war hochbegabt, musikalisch und wollte Psychiater werden. Mit Anfang zwanzig erkrankte er an Schizophrenie und verbrachte große Teile seines Lebens in der psychiatrischen Klinik Burghölzli in Zürich. Ihm schrieb Einstein 1930 einen Brief mit einem Gedanken, der heute zu seinen bekanntesten Zitaten gehört:

Nach seiner Emigration 1933 hat Einstein Eduard nie wieder gesehen. Eduard starb 1965 in Zürich.

Und die Familie heute? Hans Albert hatte zwei leibliche Söhne, von denen Bernhard Caesar Einstein das Erwachsenenalter erreichte und als Ingenieur in den USA arbeitete, sowie eine Adoptivtochter, Evelyn. Über Bernhards Kinder leben Nachkommen von Albert Einstein bis heute, vor allem in den USA und der Schweiz. Sie stehen bewusst nicht in der Öffentlichkeit.

Caputh, Segeln und die Geige „Lina“

Seine liebste Zuflucht fand Einstein ab 1929 in einem schlichten Holzhaus in Caputh bei Potsdam. Dort segelte er mit seinem Boot „Tümmler“ über die Havelseen, empfing Freunde und dachte nach. Einstein konnte nicht schwimmen, segelte aber leidenschaftlich gern. Wenn der Wind einschlief, holte er sein Notizbuch heraus und rechnete weiter.

Mindestens genauso wichtig war ihm die Musik. Seit seiner Kindheit spielte er Geige, am liebsten Mozart, und er nannte sein Instrument liebevoll „Lina“. Wenn er bei einem Problem nicht weiterkam, griff er oft zur Geige, improvisierte und fand dabei nicht selten die Lösung. Er sagte einmal sinngemäß, wäre er nicht Physiker geworden, dann wohl Musiker. Er denke oft in Musik.

Was hat Albert Einstein erfunden?

Einstein war vor allem Theoretiker. Seine großen Leistungen sind Erkenntnisse, keine Geräte. Die Relativitätstheorie hat er nicht erfunden, sondern entdeckt und formuliert. Und trotzdem: Der ehemalige Patentprüfer meldete tatsächlich selbst Patente an.

  • Der Einstein-Kühlschrank: Gemeinsam mit seinem früheren Studenten Leó Szilárd entwickelte er ab 1926 einen Kühlschrank ohne bewegliche Teile. Anlass war ein Zeitungsbericht über eine Familie, die durch giftige Gase aus einem defekten Kühlschrank gestorben war. 1930 erhielten die beiden ein US-Patent. Auf den Markt kam das Gerät nie, weil sich bald Kühlschränke mit Kompressor und ungiftigem Kältemittel durchsetzten. Heute interessieren sich Forscher wieder dafür, weil das Prinzip ohne Strom aus der Steckdose auskommen kann.
  • Eine Kamera mit Belichtungsautomatik: Mit dem Arzt Gustav Bucky meldete er in den 1930er Jahren eine Kamera an, die sich selbst auf die Lichtverhältnisse einstellt.
  • Kreiselkompass: Als Gutachter und Berater half er dem Unternehmer Hermann Anschütz-Kaempfe, dessen Kreiselkompass für Schiffe zu verbessern.

Was er dagegen nicht erfunden hat: die Atombombe. Dazu weiter unten mehr. Indirekt stecken seine Entdeckungen aber in Laser, Solarzelle und GPS, also in Erfindungen, die es ohne ihn so nicht gäbe.

Einstein und die Quantenphysik: „Gott würfelt nicht“

Ironischerweise war Einstein mit seinen Lichtquanten einer der Väter der Quantenphysik. Er sagte auch die stimulierte Emission voraus, das Prinzip, auf dem heute jeder Laser beruht, und gemeinsam mit dem indischen Physiker Satyendra Nath Bose einen neuen Materiezustand, das Bose-Einstein-Kondensat. Dieses wurde erst 1995 im Labor erzeugt und später mit einem Nobelpreis belohnt.

Doch als sich die Quantenmechanik in den 1920er Jahren zu einer Theorie entwickelte, in der der Zufall eine grundlegende Rolle spielt, rebellierte Einstein. An seinen Freund Max Born schrieb er 1926 einen Satz, der berühmt wurde:

Gemeint war Gott, oder besser: die Natur. Jahrzehntelang lieferte er sich mit dem dänischen Physiker Niels Bohr eine der berühmtesten Debatten der Wissenschaft. Bohr soll ihm einmal entgegnet haben, Einstein solle Gott nicht vorschreiben, was er zu tun habe.

In diesem Streit hatte Einstein in vielen Punkten nicht recht. Aber seine Einwände, etwa das berühmte Gedankenexperiment mit seinen Kollegen Podolsky und Rosen von 1935, zwangen die Physik, ihre eigenen Grundlagen viel genauer zu durchdenken. Aus genau diesen Fragen entstand später die Forschung zur Quantenverschränkung, die heute die Grundlage für Quantencomputer bildet. Selbst wenn Einstein irrte, brachte er die Wissenschaft voran.

Glaubte Einstein an Gott?

Weil Einstein so oft von Gott sprach, halten ihn manche für tief religiös, andere für einen Atheisten. Beides trifft nicht zu. An einen persönlichen Gott, der Gebete erhört, Menschen belohnt oder bestraft, glaubte er nicht. Als ihn ein Rabbiner 1929 per Telegramm fragte, ob er an Gott glaube, antwortete Einstein, er glaube an den Gott des Philosophen Spinoza, der sich in der gesetzmäßigen Harmonie der Welt offenbare, nicht an einen Gott, der sich mit den Schicksalen und Handlungen der Menschen abgebe.

Noch deutlicher wurde er 1954 im sogenannten Gottesbrief an den Philosophen Eric Gutkind. Darin nannte er das Wort Gott einen Ausdruck menschlicher Schwächen und die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger, aber primitiver Legenden. Gleichzeitig wehrte er sich dagegen, von Atheisten vereinnahmt zu werden. Er beschrieb sich lieber als einen tief religiösen Ungläubigen: Ehrfurcht vor dem Geheimnis des Universums ja, Kirche und Dogma nein.

Übrigens: Die im Internet verbreitete Geschichte, in der ein junger Einstein seinem Professor beweist, dass Gott das Böse nicht erschaffen habe, weil das Böse nur die Abwesenheit des Guten sei wie die Dunkelheit die Abwesenheit des Lichts, ist frei erfunden. Sie tauchte erst Jahrzehnte nach seinem Tod als Kettenbrief auf und wurde ihm nachträglich angedichtet.

Flucht vor den Nazis und das Leben in Princeton

Einstein war Jude, Pazifist und Demokrat, und er sagte offen, was er dachte. Damit wurde er für die Nationalsozialisten zu einem Hassobjekt. Schon in den 1920er Jahren gab es antisemitische Hetzkampagnen gegen die Relativitätstheorie, die als „jüdische Physik“ verunglimpft wurde. Als Hitler im Januar 1933 an die Macht kam, war Einstein gerade in den USA. Er kehrte nie wieder nach Deutschland zurück, trat aus der Preußischen Akademie aus, und die Nazis beschlagnahmten sein Vermögen und sein geliebtes Sommerhaus in Caputh.

Ab Herbst 1933 arbeitete Einstein am neu gegründeten Institute for Advanced Study in Princeton im US-Bundesstaat New Jersey. Er bewohnte ein schlichtes Haus in der Mercer Street und wurde bald zum vertrauten Anblick in der kleinen Universitätsstadt: ein älterer Herr mit zerzausten Haaren, ausgebeultem Pullover und gern ohne Socken. 1940 wurde Einstein amerikanischer Staatsbürger, behielt aber auch seine Schweizer Staatsangehörigkeit.

In Princeton suchte er nach einer „Weltformel“, einer einheitlichen Feldtheorie, die Schwerkraft und Elektromagnetismus vereinen sollte. Er fand sie nicht. Fast drei Jahrzehnte arbeitete er an einem Problem, das bis heute niemand gelöst hat. Er wusste, dass viele Kollegen ihn für einen Mann von gestern hielten, und machte trotzdem weiter. Aufgeben war für ihn keine Option, nur weil etwas schwierig war.

Hat Einstein die Atombombe erfunden?

Die kurze Antwort: Nein. Einstein hat nie an der Atombombe mitgearbeitet. Seine Formel E = mc² erklärt zwar, warum bei der Kernspaltung so gewaltige Energie frei wird. Aber die Kernspaltung selbst entdeckten 1938 Otto Hahn und Fritz Straßmann in Berlin, gedeutet von Lise Meitner und Otto Frisch. Gebaut wurde die Bombe im amerikanischen Manhattan-Projekt unter der Leitung von J. Robert Oppenheimer. Einstein war daran nicht beteiligt, die US-Behörden hielten ihn sogar für politisch zu unsicher.

Und doch spielte er eine Rolle. Im August 1939 unterschrieb Einstein einen Brief an US-Präsident Franklin D. Roosevelt, den sein Kollege Leó Szilárd aufgesetzt hatte. Darin warnten die beiden, dass Deutschland an einer Atombombe arbeiten könnte, und rieten den USA, selbst die Forschung voranzutreiben. Der Brief gilt als einer der Anstöße für das spätere Manhattan-Projekt.

Als 1945 die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki fielen, war Einstein erschüttert. Später sagte er zu seinem Freund Linus Pauling, er habe in seinem Leben einen großen Fehler gemacht, als er diesen Brief unterschrieb, wenn auch mit einer gewissen Rechtfertigung, weil die Gefahr bestand, dass die Deutschen die Bombe bauen würden. 1946 warnte er:

Den Rest seines Lebens setzte er sich für Abrüstung, eine Weltregierung und den Frieden ein. Wenige Tage vor seinem Tod unterschrieb er noch das Russell-Einstein-Manifest, einen eindringlichen Appell gegen Atomwaffen. Wie düster er die Zukunft eines Atomkriegs sah, zeigt ein Satz aus einem Interview von 1949:

Kämpfer für Menschenrechte und Frieden

Weniger bekannt ist, wie entschlossen Einstein sich gegen Rassismus einsetzte. In den USA erlebte er die Rassentrennung und war entsetzt. Er nannte den Rassismus eine Krankheit der Weißen, unterstützte die Bürgerrechtsbewegung und war mit dem Sänger und Aktivisten Paul Robeson befreundet. Als die berühmte Sängerin Marian Anderson nach einem Konzert in Princeton wegen ihrer Hautfarbe kein Hotelzimmer bekam, nahm Einstein sie bei sich zu Hause auf. Er hielt Vorträge an der Lincoln University, einer Hochschule für afroamerikanische Studierende, zu einer Zeit, in der das für einen weißen Weltstar alles andere als selbstverständlich war.

Einstein unterstützte auch den Aufbau der Hebräischen Universität in Jerusalem. 1952 bot ihm Israel sogar das Amt des Staatspräsidenten an. Einstein lehnte ab: Ihm fehle die natürliche Begabung und die Erfahrung im Umgang mit Menschen.

Wie hoch war Einsteins IQ?

Kaum eine Frage zu Einstein wird so oft gestellt. Die ehrliche Antwort: Das weiß niemand. Einstein hat nie einen IQ-Test gemacht. Als die ersten Intelligenztests aufkamen, war er bereits ein erwachsener, berühmter Physiker, und er hatte keinerlei Interesse daran, sich vermessen zu lassen.

Die Zahl, die überall kursiert, ist 160. Sie ist eine nachträgliche Schätzung, keine Messung. Manchmal liest du auch Werte wie 148 oder sogar über 200. Keiner davon ist belegt. Solche Zahlen sagen mehr über unseren Wunsch aus, Genialität in eine Zahl zu pressen, als über Einstein selbst.

Viel spannender ist, wie Einstein selbst über seine Intelligenz dachte. Er hielt sich nicht für außergewöhnlich begabt, sondern für außergewöhnlich hartnäckig. Er blieb einfach länger an Problemen dran als andere. Einer Schülerin, die ihm 1943 von ihren Problemen mit Mathe schrieb, antwortete er mit einem Satz, den du dir merken solltest, wenn du mal an dir zweifelst:

Der Mensch hinter dem Genie: Schwächen und Widersprüche

Zu einem ehrlichen Porträt gehört auch die andere Seite. Als Ehemann und Vater war Einstein oft schwierig. Seine Arbeit stand fast immer an erster Stelle. Als die Ehe mit Mileva zerbrach, stellte er ihr eine Liste mit kühlen, demütigenden Bedingungen für das Zusammenleben, die heute schwer zu lesen ist. Für seinen kranken Sohn Eduard war er nach der Emigration kaum noch da.

Einstein war also kein Heiliger. Gerade das macht ihn als Vorbild so wertvoll. Er zeigt, dass ein Mensch Großes leisten und trotzdem Fehler machen kann, und dass Größe nicht bedeutet, perfekt zu sein, sondern immer wieder dazuzulernen.

Das Zungenfoto: Warum streckte Einstein die Zunge raus?

In seinen letzten Jahren lebte Einstein zurückgezogen in Princeton, mit seiner Schwester Maja, seiner Stieftochter Margot und seiner treuen Sekretärin Helen Dukas. Er spielte weiter Geige, beantwortete Briefe von Kindern aus aller Welt und rechnete an seiner Weltformel.

Am 14. März 1951, seinem 72. Geburtstag, verließ er eine Feier und setzte sich auf den Rücksitz eines Autos. Draußen drängten sich die Fotografen und riefen, er solle doch einmal lächeln. Einstein hatte genug vom Lächeln auf Kommando und streckte ihnen spontan die Zunge heraus. Der Fotograf Arthur Sasse drückte genau in diesem Moment ab. Das Bild wurde zu einem der bekanntesten Fotos des 20. Jahrhunderts. Und Einstein? Er fand es großartig, ließ sich Abzüge machen und verschickte sie als Grußkarten an Freunde. 2017 wurde ein von ihm signierter Abzug für über 100.000 Dollar versteigert.

Das Foto zeigt in einer Sekunde, was Einstein ausmachte: Er war der klügste Kopf seiner Zeit und nahm sich trotzdem nicht ernst.

Einsteins Tod und Todesursache

Schon 1948 hatten Ärzte bei Einstein eine Erweiterung der Bauchschlagader entdeckt, ein sogenanntes Aortenaneurysma. Der Chirurg Rudolph Nissen umwickelte die Stelle damals mit Zellophan, um sie zu stabilisieren. Einige Jahre ging das gut.

Am 13. April 1955 brach Einstein zu Hause zusammen. Das Aneurysma war gerissen. Eine Operation lehnte er ab. Er wolle gehen, wann er wolle, sagte er sinngemäß, es sei geschmacklos, das Leben künstlich zu verlängern. Er habe seinen Teil getan, und es sei Zeit zu gehen, und zwar mit Würde. Albert Einstein starb in der Nacht zum 18. April 1955 im Krankenhaus von Princeton, im Alter von 76 Jahren. Seine letzten Worte sprach er auf Deutsch, doch die Krankenschwester an seinem Bett verstand die Sprache nicht. Auf seinem Nachttisch lagen Notizen zu seiner Weltformel.

Seine Asche wurde, wie er es gewünscht hatte, noch am selben Tag an einem unbekannten Ort verstreut. Er wollte nicht, dass aus seinem Grab ein Wallfahrtsort wird. Was er nicht wusste: Ein Teil von ihm wurde nicht verbrannt.

Was geschah mit Einsteins Gehirn?

Bei der Obduktion entnahm der Pathologe Thomas Harvey Einsteins Gehirn, ohne dass die Familie vorher zugestimmt hatte. Erst nachträglich gab Sohn Hans Albert widerwillig seine Erlaubnis, unter der Bedingung, dass das Gehirn ausschließlich der Wissenschaft dient. Harvey verlor kurz darauf seine Stelle in Princeton und nahm das Gehirn einfach mit.

Was dann folgte, klingt wie ein Roman. Harvey ließ das Gehirn fotografieren und in rund 240 Blöcke schneiden. Jahrzehntelang bewahrte er die Stücke in Gläsern auf, unter anderem in einer Kiste, die angeblich zeitweise unter einem Bierkühler stand. Er zog damit quer durch die USA und verschickte immer wieder Proben an Forscher. Erst 1998 übergab er die Reste an die Pathologie des Krankenhauses in Princeton.

Und war Einsteins Gehirn nun etwas Besonderes? Es wog rund 1.230 Gramm und war damit sogar etwas leichter als der Durchschnitt. Einige Studien fanden Auffälligkeiten, etwa eine ungewöhnliche Form des Scheitellappens, der für räumliches und mathematisches Denken wichtig ist, oder besonders viele Gliazellen. Viele Fachleute sind aber skeptisch, weil es nur ein einziges Gehirn ist und man nicht weiß, ob die Unterschiede Ursache oder Folge eines Lebens voller Denken waren. Heute kannst du einzelne Schnitte von Einsteins Gehirn im Mütter Museum in Philadelphia sehen. Auch seine Augen wurden übrigens entnommen: Sein Augenarzt Henry Abrams bewahrte sie in einem Banksafe in New York auf.

Einsteins Vermächtnis: Was heute noch von ihm in deinem Alltag steckt

Einsteins Ideen sind keine Theorie für Elfenbeintürme. Sie stecken in Dingen, die du jeden Tag benutzt:

  • GPS und Navigation: Die Uhren in den GPS-Satelliten gehen wegen der Relativitätstheorie jeden Tag um rund 38 Millionstelsekunden anders als Uhren auf der Erde. Würde man das nicht korrigieren, läge dein Navi nach einem Tag um viele Kilometer daneben.
  • Solarzellen und Kamerasensoren: Sie funktionieren nach dem photoelektrischen Effekt, für den Einstein den Nobelpreis bekam.
  • Laser: Vom Barcode-Scanner an der Supermarktkasse bis zur Augen-OP beruht alles auf der stimulierten Emission, die Einstein 1917 beschrieb.
  • Die Sonne verstehen: E = mc² erklärt, woher die Energie der Sterne kommt.
  • Schwarze Löcher und Gravitationswellen: Einsteins Theorie sagte Wellen in Raum und Zeit voraus. 2015, genau hundert Jahre nach der allgemeinen Relativitätstheorie, wurden sie zum ersten Mal gemessen. 2019 ging das erste Foto eines Schwarzen Lochs um die Welt, und es sah genau so aus, wie Einsteins Gleichungen es erwarten ließen.

Das chemische Element Einsteinium trägt seinen Namen, das US-Magazin „Time“ kürte ihn zur Person des Jahrhunderts. Und noch heute bestätigen Experimente immer wieder Vorhersagen, die ein Patentbeamter vor über hundert Jahren in Bern aufgeschrieben hat.

Echte und falsche Einstein-Zitate

Kein Mensch wird so oft zitiert wie Albert Einstein, und keinem werden so viele Sätze untergeschoben, die er nie gesagt hat. Ein kluger Gedanke wirkt eben gleich doppelt so klug, wenn „Einstein“ darunter steht. Forscher wie Alice Calaprice, die Einsteins Nachlass jahrzehntelang ausgewertet hat, sammeln deshalb genau, was belegt ist und was nicht. Hier die bekanntesten Fälle:

Zitat Wirklich von Einstein?
„Phantasie ist wichtiger als Wissen.“ Echt, Interview von 1929
„Das Leben ist wie Fahrradfahren …“ Echt, Brief an seinen Sohn Eduard 1930
„Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.“ Echt, Brief von 1952
„Gott würfelt nicht.“ Echt, sinngemäß aus einem Brief an Max Born 1926
„Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit …“ Umstritten, kein Beleg in seinen Schriften
„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“ Falsch, taucht erst Jahrzehnte nach seinem Tod auf
„Jeder ist ein Genie. Aber wenn du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann …“ Falsch, ein moderner Internet-Spruch
„Wenn die Biene von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“ Falsch, kein Beleg
„Nur ein Idiot braucht Ordnung, das Genie beherrscht das Chaos.“ Falsch
„Wenn du es nicht einfach erklären kannst, hast du es nicht gut genug verstanden.“ Falsch, eher eine Zuspitzung späterer Autoren
„Ich fürchte den Tag, an dem die Technologie unsere Menschlichkeit übertrifft …“ Falsch, stammt aus dem Internet

Das berühmteste Beispiel ist der Satz über den Wahnsinn. Er ist inhaltlich klug, deshalb haben wir ihn trotzdem als Bild gestaltet, aber er stammt nicht von Einstein. Nachweisen lässt er sich erst in Texten von Selbsthilfegruppen und Romanen aus den 1980er Jahren, fast drei Jahrzehnte nach Einsteins Tod.

Auch das Zitat über die zwei unendlichen Dinge ist nirgends in Einsteins Briefen, Büchern oder Interviews zu finden. Es passt zu seinem Humor, aber einen Beleg gibt es nicht.

Ein Satz, der dagegen häufig verkürzt wird, ist dieser: Einstein schrieb mehrfach, dass man ein Problem nicht mit der Denkweise lösen kann, die es hervorgebracht hat. Die bekannte knappe Fassung ist eine freie, sinngemäße Übertragung dieses Gedankens.

Alle Einstein-Zitate als Bilder, echte wie umstrittene, findest du weiter unten auf dieser Seite.

Einstein-Zitate für jeden Anlass

Einstein-Zitate eignen sich wunderbar für Glückwunschkarten, Reden und Trauerkarten, weil sie Tiefe mit einem Lächeln verbinden. Hier ein paar Ideen:

Anlass Passendes Zitat
Geburtstag „Das Leben ist wie Fahrradfahren. Um die Balance zu halten, musst du in Bewegung bleiben.“
Neujahr „Ich denke niemals an die Zukunft. Sie kommt früh genug.“
Abschluss und Schulende „Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn man alles vergessen hat, was man in der Schule gelernt hat.“
Neuer Job oder Neuanfang „Versuche nicht, ein erfolgreicher, sondern ein wertvoller Mensch zu werden.“
Hochzeit „Die Schwerkraft ist nicht dafür verantwortlich, dass Menschen sich verlieben.“ (umstritten, aber beliebt)
Trauer „Die Unterscheidung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist nur eine besonders hartnäckige Illusion.“ (aus Einsteins Kondolenzbrief an die Familie seines Freundes Michele Besso)

Bücher, Filme und Poster über Albert Einstein

Wenn du nach diesem Porträt noch tiefer eintauchen möchtest, gibt es großartige Bücher und Filme über Einstein. Als beste Biografie gilt für viele „Einstein. Die Biografie“ von Walter Isaacson: spannend wie ein Roman, gründlich recherchiert und verständlich geschrieben, auch für Leser ohne Physikkenntnisse.

Unter den Filmen und Serien ragt die erste Staffel von „Genius“ heraus, in der Geoffrey Rush den älteren Einstein spielt. Sie erzählt sein Leben von der Jugend in München bis zu den Jahren in Princeton. Sehenswert ist auch „Einstein und Eddington“ über die Sonnenfinsternis von 1919, und im Oscar-Film „Oppenheimer“ von 2023 hat Einstein einige der stärksten Szenen.

Und wer sich Einstein an die Wand holen möchte: Das Zungenfoto ist als Poster bis heute ein Klassiker. Alle passenden Produkte findest du hier:

Was du von Albert Einstein lernen kannst

Einsteins Leben ist eine einzige Motivationsgeschichte. Nicht, weil ihm alles zugeflogen wäre, sondern weil es das eben nicht tat. Diese Lektionen kannst du direkt in dein eigenes Leben mitnehmen:

  • Neugier schlägt Talent. Einstein hielt sich nicht für besonders begabt, sondern für leidenschaftlich neugierig. Stell Fragen, auch die scheinbar naiven. Seine größten Entdeckungen begannen mit Kinderfragen: Was passiert, wenn ich neben einem Lichtstrahl herfliege?
  • Phantasie ist wichtiger als Wissen. Einstein dachte in Bildern: fallende Aufzüge, fahrende Züge, Lichtstrahlen. Wissen ist begrenzt, Vorstellungskraft nicht. Gib deinen Ideen Raum, bevor du sie zerdenkst.
  • Rückschläge sind kein Urteil über dich. Schulabbrecher, durchgefallen bei der Aufnahmeprüfung, zwei Jahre arbeitslos, abgelehnt von jeder Universität. Und trotzdem der größte Physiker seiner Zeit. Ein Umweg ist oft nur ein anderer Weg zum Ziel.
  • Nutze, was du hast. Einstein hatte kein Labor und keinen Lehrstuhl, nur einen Schreibtisch im Patentamt und seine Abende. Warte nicht auf perfekte Bedingungen.
  • Bleib dran, auch wenn es Jahre dauert. Für die allgemeine Relativitätstheorie brauchte er zehn Jahre voller Irrwege. Große Dinge entstehen selten in einem Rutsch.
  • Hol dir Hilfe. Selbst ein Einstein kannte seine Grenzen und bat seinen Freund Grossmann um Unterstützung bei der Mathematik. Um Hilfe zu bitten ist eine Stärke, keine Schwäche.
  • Hab den Mut, gegen den Strom zu schwimmen. Ob gegen Autoritäten in der Schule, gegen etablierte Lehrmeinungen in der Physik oder gegen Rassismus und Krieg: Einstein sagte, was er für richtig hielt, auch wenn es ihm schadete.
  • Steh zu deinen Fehlern. Er nannte den Brief an Roosevelt einen großen Fehler und setzte sich danach umso stärker für den Frieden ein. Fehler einzugestehen und daraus zu handeln ist wahre Größe.
  • Einfachheit macht glücklich. Ein ruhiges, bescheidenes Leben, Musik, Segeln, gute Freunde. Einstein brauchte keinen Luxus, um zufrieden zu sein. Ihm reichten ein Bleistift, Papier und seine Geige.
  • Nimm dich selbst nicht zu ernst. Der berühmteste Wissenschaftler der Welt streckte Fotografen die Zunge heraus. Humor hält dich beweglich, gerade wenn das Leben schwer wird.

Warum Albert Einstein ein echter Motivationsheld ist

Einstein ist nicht deshalb ein Vorbild, weil er ein Genie war. Genies gibt es viele, und die meisten kennt niemand. Er ist ein Vorbild, weil er gezeigt hat, was ein einzelner Mensch mit Neugier, Ausdauer und Mut bewegen kann, selbst wenn alle Türen verschlossen scheinen. Er war der Junge, der spät sprach, der Schüler, der die Schule hasste, der Absolvent, den keiner wollte. Und er wurde zu dem Menschen, der unser Verständnis von Raum, Zeit und Universum für immer verändert hat.

Er blieb dabei bescheiden, humorvoll und menschlich, mit allen Fehlern, die dazugehören. Er stellte sich gegen Krieg, Hass und Rassismus, als es gefährlich war. Und er riet jungen Menschen, nicht nach Erfolg zu streben, sondern nach Wert:

Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft, die er dir mitgeben kann: Du musst kein Genie sein, um Großes zu erreichen. Du musst nur neugierig bleiben, dranbleiben und dich trauen, die Welt mit eigenen Augen zu sehen. Oder, wie Einstein es selbst gesagt hat:

Zitatbild mit dem Zitat von Albert Einstein: Stilles bescheidenes Leben gibt mehr Glück als erfolgreiches Streben, verbunden mit beständiger Unruhe.

Stilles bescheidenes Leben