Napoleon Hill
Wer war Napoleon Hill?
Napoleon Hill schrieb mit „Denke nach und werde reich“ eines der meistverkauften Erfolgsbücher aller Zeiten. Seine 13 Erfolgsprinzipien, von brennendem Verlangen bis zur Mastermind-Gruppe, prägen bis heute die gesamte Motivations- und Coaching-Szene. Doch hinter dem Bestsellerautor steckt eine Lebensgeschichte voller Widersprüche: Neuere Recherchen zeigen, dass Hill es mit der Wahrheit oft nicht genau nahm.
In diesem Porträt erfährst du, wer Napoleon Hill war, worum es in „Denke nach und werde reich“ geht, welche 13 Prinzipien und sechs Ängste er beschreibt, was es mit seinem angeblichen Auftrag von Andrew Carnegie auf sich hat, was Kritiker ihm vorwerfen und wie du seine Ideen trotzdem sinnvoll nutzen kannst.
| Name | Oliver Napoleon Hill |
|---|---|
| Geboren | 26. Oktober 1883 in Pound, Virginia, USA |
| Gestorben | 8. November 1970 in South Carolina, mit 87 Jahren |
| Beruf | Autor, Journalist, Redner |
| Bekannt für | „Denke nach und werde reich“ (Think and Grow Rich), „Das Gesetz des Erfolgs“, Mastermind-Prinzip |
| Ehefrauen | Florence Horner, Rosa Lee Beeland, Annie Lou Norman |
| Kinder | drei Söhne, darunter Blair Hill |
| Wichtiger Partner | W. Clement Stone („Erfolg durch positives Denken“) |
| Nachlass | Napoleon Hill Foundation |
Napoleon Hills Lebenslauf in Stichpunkten
- 1883Geburt am 26. Oktober in Pound, Virginia
- 1908Nach eigener Darstellung Interview mit Andrew Carnegie, der ihn beauftragt, die Philosophie des Erfolgs zu erforschen
- 1919Herausgabe des Magazins „Hill’s Golden Rule“
- 1928„Das Gesetz des Erfolgs“ in acht Bänden mit 16 Lektionen
- 1937„Denke nach und werde reich“ erscheint und wird zum Weltbestseller
- 1938Er schreibt „Outwitting the Devil“, das erst 2011 veröffentlicht wird
- 1960„Erfolg durch positives Denken“ mit W. Clement Stone
- 1970Tod am 8. November in South Carolina
Wer war Napoleon Hill?
Napoleon Hill war ein amerikanischer Autor, der als einer der Begründer der Erfolgsliteratur gilt. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen in den Bergen Virginias auf und arbeitete schon früh als Lokaljournalist. Später versuchte er sich in vielen Berufen und Geschäften, als Anwaltsgehilfe, Verkäufer, Gründer von Schulen und Herausgeber von Zeitschriften.
Sein großes Thema war die Frage, warum manche Menschen außergewöhnlich erfolgreich werden und andere nicht. Seine Antwort: Erfolg beginnt im Kopf. Wer ein klares Ziel hat, fest daran glaubt und beharrlich handelt, kann fast alles erreichen.
Der angebliche Auftrag von Andrew Carnegie
Hill erzählte gern, wie alles anfing: 1908 habe er als junger Reporter den Stahlmagnaten Andrew Carnegie interviewt. Carnegie habe ihn beauftragt, zwanzig Jahre lang die erfolgreichsten Menschen Amerikas zu befragen, darunter Thomas Edison, Henry Ford und Alexander Graham Bell, und daraus eine Philosophie des Erfolgs zu entwickeln.
Belege für dieses Treffen gibt es allerdings keine. In Carnegies Unterlagen taucht Hill nicht auf, und auch für viele andere angebliche Begegnungen fehlen Nachweise. Journalisten und Historiker haben zudem herausgefunden, dass Hill in mehrere zweifelhafte Geschäfte verwickelt war und mehrfach mit Gläubigern und Behörden in Konflikt geriet. Manche bezeichnen ihn deshalb als Hochstapler. Seine Anhänger halten dagegen, dass die Prinzipien in seinen Büchern trotzdem vielen Menschen geholfen haben.
„Denke nach und werde reich“: Worum geht es?
„Think and Grow Rich“ erschien 1937, mitten in der Weltwirtschaftskrise, und traf genau den Nerv der Zeit. Auf Deutsch heißt es „Denke nach und werde reich“. Es wurde viele Millionen Mal verkauft und gehört bis heute zu den bekanntesten Selbsthilfebüchern der Welt. Hill verspricht darin, das „Geheimnis“ des Erfolgs zu verraten, das er bei den reichsten Menschen seiner Zeit entdeckt haben will.
Der Kern: Reichtum entsteht zuerst als Gedanke. Wer ein brennendes Verlangen nach einem klar definierten Ziel hat, daran glaubt und einen Plan verfolgt, wird es erreichen. Geld ist für Hill dabei nur ein Beispiel. Die Prinzipien sollen für jedes Ziel gelten.
Die 13 Erfolgsprinzipien
Hill nennt im Buch 13 Schritte zum Reichtum:
- Verlangen: ein brennender Wunsch nach einem klaren Ziel.
- Glaube: die feste Überzeugung, es zu erreichen.
- Autosuggestion: sich das Ziel täglich laut vorsagen, um das Unterbewusstsein zu beeinflussen.
- Spezialwissen: gezieltes Wissen, das man für sein Ziel braucht.
- Vorstellungskraft: Ideen entwickeln und Pläne entwerfen.
- Organisierte Planung: das Ziel in konkrete Schritte zerlegen.
- Entscheidung: schnell entscheiden und dabei bleiben.
- Beharrlichkeit: nicht aufgeben, auch bei Rückschlägen.
- Die Kraft der Mastermind-Gruppe: sich mit Menschen zusammentun, die gemeinsam an einem Ziel arbeiten.
- Transmutation der Sexualenergie: die Kraft der Leidenschaft in Kreativität umleiten.
- Das Unterbewusstsein als Verbindung zwischen Denken und Handeln.
- Das Gehirn als Sender und Empfänger von Gedanken.
- Der sechste Sinn: Intuition und Eingebung.
Die sechs Grundängste
Am Ende des Buches beschreibt Hill sechs Ängste, die Menschen am Erfolg hindern: die Angst vor Armut, vor Kritik, vor Krankheit, vor dem Verlust der Liebe, vor dem Alter und vor dem Tod. Wer sie erkennt und überwindet, macht laut Hill den Weg frei für seine Ziele.
Mastermind: Hills wichtigste Idee?
Besonders einflussreich ist das Mastermind-Prinzip. Gemeint ist eine kleine Gruppe von Menschen, die sich regelmäßig trifft, sich gegenseitig unterstützt und gemeinsam Probleme löst. Hill war überzeugt, dass dabei ein „dritter Geist“ entsteht, der mehr ist als die Summe der Einzelnen. Ob man das glaubt oder nicht: Mastermind-Gruppen sind heute bei Unternehmern weit verbreitet.
Weitere Werke: „Das Gesetz des Erfolgs“ und „Outwitting the Devil“
Schon 1928 veröffentlichte Hill „The Law of Success“, auf Deutsch „Das Gesetz des Erfolgs“, ein umfangreiches Werk mit 16 Lektionen, das als Vorläufer von „Denke nach und werde reich“ gilt. 1938 schrieb er „Outwitting the Devil“, ein fiktives Gespräch mit dem Teufel über Angst, Zweifel und das Abschweifen vom eigenen Weg. Das Manuskript war seiner Familie so unheimlich, dass es erst 2011 veröffentlicht wurde. Mit dem Versicherungsunternehmer W. Clement Stone schrieb er 1960 „Erfolg durch positives Denken“.
Der Film zu „Think and Grow Rich“
2017 erschien die Dokumentation „Think and Grow Rich: The Legacy“, in der bekannte Unternehmer und Coaches erzählen, wie Hills Prinzipien ihr Leben verändert haben. Sie ist eher eine Hommage als eine kritische Auseinandersetzung.
Familie: Ehefrauen und Söhne
Hill war dreimal verheiratet. Mit seiner ersten Frau Florence hatte er drei Söhne. Einer von ihnen, Blair, kam ohne Ohrmuscheln zur Welt. Hill behauptete, er habe ihm durch die Kraft seines Glaubens und seiner Gedanken zu einem Teil seines Gehörs verholfen, und erzählte diese Geschichte in „Denke nach und werde reich“. Medizinisch ist das so nicht zu belegen. Seine dritte Frau Annie Lou Norman begleitete ihn bis zu seinem Tod 1970.
Kritik: Was ist dran an Napoleon Hill?
Neben den Zweifeln an seiner Biografie gibt es inhaltliche Kritik. Hills Versprechen, dass jeder reich wird, der nur fest genug daran glaubt, blendet Zufall, Herkunft und Chancen aus. Manche seiner Ideen, etwa über Gedankenübertragung oder den „sechsten Sinn“, sind wissenschaftlich nicht haltbar. Und das Gesetz der Anziehung, das heute oft mit Hill verbunden wird, hat er so nicht erfunden, aber stark geprägt.
Andererseits enthalten seine Bücher viele bodenständige Ratschläge, die auch die moderne Psychologie stützt: klare Ziele, Planung, Durchhaltevermögen und ein unterstützendes Umfeld.
Zitate von Napoleon Hill
Viele bekannte Sätze von Hill drehen sich darum, dass alles, was der menschliche Geist sich vorstellen und glauben kann, auch erreicht werden kann, und dass in jeder Widrigkeit der Keim eines gleichwertigen Vorteils steckt. Da Hill 1970 gestorben ist, sind seine Texte in Deutschland noch urheberrechtlich geschützt.
Bücher und Hörbücher von Napoleon Hill
Was du von Napoleon Hill lernen kannst
- Ein klares Ziel ist der Anfang von allem. Schreib genau auf, was du willst und bis wann.
- Umgib dich mit den richtigen Menschen. Eine kleine Mastermind-Gruppe kann dich weiter bringen als jahrelanges Alleinkämpfen.
- Beharrlichkeit schlägt Talent. Die meisten geben kurz vor dem Ziel auf.
- Prüfe kritisch, wem du glaubst. Auch große Erfolgsgeschichten verdienen einen Faktencheck, Hills eigene eingeschlossen.
Warum wir Napoleon Hill vorstellen
Napoleon Hill ist ein umstrittenes Vorbild. Seine Bücher haben Generationen von Unternehmern inspiriert, seine eigene Geschichte hält einer Prüfung oft nicht stand. Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf ihn: Er zeigt, wie stark Ziele, Glaube und Gemeinschaft wirken können, und erinnert zugleich daran, nicht jede Erfolgsgeschichte ungeprüft zu übernehmen.


