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Mutter Teresa

Mutter Teresa wurde 1910 in Skopje geboren und ging als junge Ordensfrau nach Indien. In den Slums von Kalkutta kümmerte sie sich um die Ärmsten, Kranken und Sterbenden. 1979 erhielt sie den Friedensnobelpreis. Hier findest du ihre wichtigsten Lehren, inspirierende Zitate, Bücher und alles, was dir hilft, ihre Weisheit in deinen eigenen Alltag zu bringen.

Wer war Mutter Teresa?

Mutter Teresa ist für viele Menschen das Sinnbild der Nächstenliebe. Die kleine Ordensfrau im weißen Sari mit blauem Rand kümmerte sich in Kalkutta um Sterbende, Kranke und Ausgestoßene, gründete einen Orden, der heute auf der ganzen Welt tätig ist, erhielt den Friedensnobelpreis und wurde 2016 heiliggesprochen. Gleichzeitig gibt es kaum eine Heilige, über die so heftig gestritten wird.

In diesem Porträt erfährst du, wer Mutter Teresa war, wie sie wirklich hieß, woher sie stammte, was sie in Kalkutta aufgebaut hat, warum sie heiliggesprochen wurde, was ihre Kritiker ihr vorwerfen, welche bekannten Gedichte und Zitate gar nicht von ihr stammen und was du von ihr für dein eigenes Leben lernen kannst.

Steckbrief Mutter Teresa
Bürgerlicher Name Anjezë Gonxhe Bojaxhiu
Ordensname Teresa, heute Heilige Teresa von Kalkutta
Geboren 26. August 1910 in Üsküb, heute Skopje in Nordmazedonien
Gestorben 5. September 1997 in Kalkutta, mit 87 Jahren
Todesursache Herzversagen
Herkunft albanische, katholische Familie
Eltern Nikollë und Dranafile Bojaxhiu
Geschwister Schwester Aga, Bruder Lazar
Orden Gründerin der Missionarinnen der Nächstenliebe (1950)
Auszeichnungen Friedensnobelpreis 1979, zahlreiche weitere Ehrungen
Seligsprechung 19. Oktober 2003
Heiligsprechung 4. September 2016
Gedenktag 5. September

Mutter Teresas Lebenslauf in Stichpunkten

  1. 1910Geburt am 26. August in Üsküb (Skopje)
  2. 1919Tod des Vaters
  3. 1928Eintritt bei den Loreto-Schwestern in Irland
  4. 1929Ankunft in Indien, später Lehrerin an einer Mädchenschule in Kalkutta
  5. 1937Ewige Gelübde, sie wird „Mutter Teresa“ genannt
  6. 1946Auf einer Zugfahrt erlebt sie ihre „Berufung in der Berufung“
  7. 1948Sie verlässt das Kloster und beginnt, in den Slums zu arbeiten
  8. 1950Gründung der Missionarinnen der Nächstenliebe
  9. 1952Eröffnung des Sterbehauses in Kalighat
  10. 1979Friedensnobelpreis
  11. 1997Tod am 5. September in Kalkutta
  12. 2003Seligsprechung
  13. 2016Heiligsprechung durch Papst Franziskus

Wer war Mutter Teresa?

Mutter Teresa war eine katholische Ordensfrau, die ihr Leben den Ärmsten der Armen widmete. In Kalkutta, wo Hunderttausende Menschen auf der Straße lebten, sammelte sie Sterbende auf, die niemand mehr beachtete, und gab ihnen einen Ort, an dem sie in Würde sterben konnten. Ihr Orden kümmerte sich um Leprakranke, Waisenkinder, Obdachlose und später auch um Menschen mit AIDS.

Sie lebte selbst in äußerster Armut, besaß kaum mehr als zwei Saris und arbeitete bis ins hohe Alter. Für Millionen Menschen wurde sie zum lebenden Beweis, dass ein einzelner Mensch mit Liebe und Hingabe die Welt verändern kann.

Bürgerlicher Name und Herkunft

Mutter Teresa hieß mit bürgerlichem Namen Anjezë Gonxhe Bojaxhiu. „Gonxhe“ bedeutet auf Albanisch „Rosenknospe“. Sie wurde 1910 in Üsküb geboren, dem heutigen Skopje, das damals zum Osmanischen Reich gehörte und heute die Hauptstadt Nordmazedoniens ist. Ihre Familie war albanisch und katholisch. Albanien, Nordmazedonien und das Kosovo verehren sie deshalb gleichermaßen. In Skopje erinnert ein Gedenkhaus an sie, in Pristina eine Kathedrale und in Tirana trägt der Flughafen ihren Namen.

Ihr Vater Nikollë war ein erfolgreicher Kaufmann, der starb, als sie acht Jahre alt war. Ihre Mutter Dranafile prägte sie mit ihrer tiefen Frömmigkeit und ihrer Hilfsbereitschaft gegenüber Armen. Schon mit zwölf Jahren spürte Gonxhe den Wunsch, Ordensfrau zu werden.

Warum heißt sie „Mutter Teresa“?

Mit 18 Jahren trat sie in Irland in den Orden der Loreto-Schwestern ein und wählte den Ordensnamen Teresa, nach der heiligen Thérèse von Lisieux. Als sie 1937 ihre ewigen Gelübde ablegte, wurde sie nach dem Brauch ihres Ordens „Mutter“ genannt. Seit der Heiligsprechung heißt sie offiziell „Heilige Teresa von Kalkutta“. Verheiratet war sie nie, als Ordensfrau hatte sie ein Leben in Ehelosigkeit gelobt.

Die „Berufung in der Berufung“ und der Weg in die Slums

Fast 20 Jahre lang unterrichtete Schwester Teresa an einer Mädchenschule der Loreto-Schwestern in Kalkutta. Am 10. September 1946, auf einer Zugfahrt nach Darjeeling, erlebte sie nach eigenen Worten, wie Jesus sie rief, den Ärmsten der Armen zu dienen. Diesen Tag nannte sie ihre „Berufung in der Berufung“.

1948 erhielt sie die Erlaubnis, das Kloster zu verlassen. Sie legte ihr Ordensgewand ab und zog einen einfachen weißen Baumwollsari mit blauem Rand an, wie ihn arme indische Frauen trugen. Sie machte einen Kurs in Krankenpflege und begann, in den Slums von Kalkutta zu arbeiten, ohne Geld und ohne Unterstützung. Bald schlossen sich ihr ehemalige Schülerinnen an.

Die Missionarinnen der Nächstenliebe

1950 erkannte der Vatikan ihre Gemeinschaft als Orden an: die Missionarinnen der Nächstenliebe. Zu den üblichen Ordensgelübden kam ein viertes hinzu, der „ganzherzige und freie Dienst an den Ärmsten der Armen“. 1952 eröffnete sie in einem ehemaligen Tempelgebäude in Kalighat das Sterbehaus „Nirmal Hriday“, später folgten Waisenhäuser, Leprastationen und Heime auf der ganzen Welt. Bei ihrem Tod hatte der Orden über 4.000 Schwestern in mehr als 120 Ländern. Ihre Nachfolgerin als Ordensoberin wurde Schwester Nirmala.

Friedensnobelpreis 1979

1979 erhielt Mutter Teresa den Friedensnobelpreis für ihren Einsatz für die Leidenden. Sie bat darum, das festliche Bankett abzusagen und das Geld stattdessen den Armen zu geben. In ihrer Rede bezeichnete sie die Abtreibung als größte Bedrohung des Friedens, was bis heute kontrovers diskutiert wird. Sie erhielt viele weitere Auszeichnungen, darunter den höchsten indischen Zivilorden Bharat Ratna.

Tod und Heiligsprechung

Mutter Teresa starb am 5. September 1997 mit 87 Jahren in Kalkutta an Herzversagen, nur wenige Tage nach Prinzessin Diana. Indien ehrte sie mit einem Staatsbegräbnis. Ihr Grab befindet sich im Mutterhaus ihres Ordens in Kalkutta.

Papst Johannes Paul II. sprach sie bereits 2003 selig. Grundlage war die Heilung einer Inderin, die als Wunder anerkannt wurde. Nach einem zweiten anerkannten Wunder, der Heilung eines Mannes in Brasilien, sprach Papst Franziskus sie am 4. September 2016 heilig. Beide Wunder werden von Kritikern angezweifelt.

Die dunkle Seite des Glaubens: „Komm, sei mein Licht“

Nach ihrem Tod wurden Briefe veröffentlicht, die viele überraschten. Darin beschreibt Mutter Teresa, dass sie jahrzehntelang eine tiefe innere Dunkelheit erlebte und Gottes Nähe nicht mehr spürte. Trotzdem hielt sie an ihrem Glauben und ihrer Arbeit fest. Die Briefe erschienen unter dem Titel „Komm, sei mein Licht“. Für viele Gläubige macht gerade das sie menschlicher.

Kritik: Warum ist Mutter Teresa umstritten?

So bewundert Mutter Teresa ist, sie hat auch scharfe Kritiker. Der Journalist Christopher Hitchens warf ihr in seinem Buch „The Missionary Position“ von 1995 vor, das Leid der Armen eher zu verklären als zu bekämpfen. Weitere Vorwürfe:

  • Medizinische Versorgung: In ihren Häusern habe es an Ärzten, Schmerzmitteln und Hygiene gefehlt, obwohl der Orden reichlich Spenden erhielt.
  • Spenden aus fragwürdigen Quellen: Sie nahm Geld von Diktatoren und Betrügern an, etwa vom haitianischen Duvalier-Regime.
  • Haltung zu Abtreibung und Verhütung: Ihre strikte Ablehnung auch in sehr armen Regionen wurde vielfach kritisiert.
  • Vorwürfe nach ihrem Tod: 2018 wurden in Indien eine Schwester und eine Angestellte eines Heims ihres Ordens verhaftet, denen vorgeworfen wurde, Babys verkauft zu haben. Diese Vorwürfe betreffen ihren Orden, nicht Mutter Teresa persönlich.

Ihre Unterstützer halten dagegen, dass ihr Orden nie Krankenhäuser, sondern Orte der Zuwendung schaffen wollte und dass sie Millionen Menschen Würde geschenkt hat, die sonst niemand beachtet hätte. Beide Seiten gehören zum vollständigen Bild.

„Trotzdem“ und „Das Leben ist ein Spiel“: Stammen diese Texte von Mutter Teresa?

Zwei der beliebtesten Texte, die Mutter Teresa zugeschrieben werden, stammen nicht von ihr. Das Gedicht „Trotzdem“ („Anyway“), in dem es heißt, man solle die Menschen trotzdem lieben, auch wenn sie unvernünftig und selbstsüchtig sind, geht auf die „paradoxen Gebote“ des Amerikaners Kent M. Keith zurück, die er 1968 als Student schrieb. Eine Fassung hing an der Wand eines Kinderheims ihres Ordens, daher die Verwechslung. Auch beim Text „Das Leben ist eine Chance, nutze sie“ oder „Das Leben ist ein Spiel, spiel es“ ist ihre Urheberschaft nicht belegt.

Echte Gedanken von Mutter Teresa findest du in ihren Ansprachen und Briefen, etwa dass es nicht darauf ankommt, wie viel wir tun, sondern wie viel Liebe wir in das legen, was wir tun. Da sie 1997 gestorben ist, sind ihre Texte noch urheberrechtlich geschützt. Wir zitieren deshalb nur sinngemäß.

Filme und Bücher über Mutter Teresa

Ihr Leben wurde mehrfach verfilmt, unter anderem 2003 mit Olivia Hussey in der Titelrolle und 2014 in „The Letters“ mit Juliet Stevenson, der sich auf ihre Briefe und ihre innere Dunkelheit konzentriert. 2022 erschien die Dokumentation „Mother Teresa: No Greater Love“. Wer mehr lesen möchte, findet zahlreiche Biografien und Sammlungen ihrer Gebete und Gedanken.

Bücher und Filme über Mutter Teresa

Was du von Mutter Teresa lernen kannst

  • Fang bei dem einen Menschen an. Mutter Teresa sagte sinngemäß, sie zähle nicht die Massen, sondern helfe immer dem einen, der gerade vor ihr ist.
  • Kleine Dinge mit großer Liebe tun. Ein Lächeln, ein Gespräch, eine Hand auf der Schulter können für jemanden alles bedeuten.
  • Durchhalten, auch wenn das Gefühl fehlt. Ihre Briefe zeigen: Man kann seinem Weg treu bleiben, auch wenn man innerlich zweifelt.
  • Auch Vorbilder kritisch sehen. Wer Mutter Teresa bewundert, darf trotzdem die berechtigte Kritik an ihr ernst nehmen.

Warum Mutter Teresa ein Vorbild ist, über das man streiten darf

Mutter Teresa hat Menschen umarmt, die niemand berühren wollte, und dort hingesehen, wo andere wegschauten. Gleichzeitig zeigt die Kritik an ihr, dass auch gute Absichten nicht vor Fehlern schützen. Gerade diese Spannung macht sie zu einem lohnenden Vorbild: Sie erinnert uns daran, Liebe ganz praktisch zu leben, und gleichzeitig wach zu bleiben für die Frage, wie wir am besten helfen.

Komm, sei mein Licht! – Die geheimen Aufzeichnungen von Mutter Teresa

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