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Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen wurde 1098 in Bermersheim in Rheinhessen geboren und war Äbtissin, Heilkundige, Komponistin und Mystikerin. Sie beschrieb die Heilkraft von Pflanzen, Dinkel und Kräutern. Bis heute ist ihre ganzheitliche Sicht auf Ernährung und Gesundheit sehr beliebt. Hier findest du ihre wichtigsten Lehren, inspirierende Zitate, Bücher und alles, was dir hilft, ihre Weisheit in deinen eigenen Alltag zu bringen.

Wer war Hildegard von Bingen?

Hildegard von Bingen lebte vor über 900 Jahren, in einer Zeit, in der Frauen kaum etwas zu sagen hatten. Trotzdem schrieb sie Bücher über Gott, Natur und Medizin, komponierte Musik, die heute noch gesungen wird, gründete gegen den Willen mächtiger Männer zwei eigene Klöster und reiste als alte Frau predigend durch Deutschland. Kaiser und Päpste bekamen Briefe von ihr, in denen sie kein Blatt vor den Mund nahm. Heute ist sie eine Heilige, Kirchenlehrerin und der Name hinter Dinkel, Nervenkeksen und Bitterkraut in fast jedem Bioladen.

Hildegard von Bingen Steckbrief
Name Hildegard von Bingen
Geboren 1098 in Bermersheim (Rheinhessen), genauer Ort nicht ganz sicher
Gestorben 17. September 1179 im Kloster Rupertsberg bei Bingen
Alter 81 Jahre
Herkunft adelige Familie, zehntes Kind ihrer Eltern
Klöster Disibodenberg, Rupertsberg (gegründet um 1150), Eibingen (gegründet 1165)
Beruf Benediktinerin, Äbtissin, Mystikerin, Naturkundlerin, Komponistin
Wichtigste Werke Scivias, Liber vitae meritorum, Liber divinorum operum, Physica, Causae et curae
Musik rund 77 Gesänge und das Singspiel „Ordo Virtutum“
Heiligsprechung 2012 durch Papst Benedikt XVI.
Kirchenlehrerin seit 7. Oktober 2012
Gedenktag 17. September

Hildegard von Bingen in Stichpunkten

  1. 1098Geburt in Rheinhessen als zehntes Kind einer Adelsfamilie
  2. 1106Mit acht Jahren kommt sie zu Jutta von Sponheim auf den Disibodenberg
  3. 1112Eintritt in die Frauenklause auf dem Disibodenberg
  4. 1136Nach Juttas Tod wird Hildegard Leiterin der Frauengemeinschaft
  5. 1141Göttlicher Auftrag, ihre Visionen aufzuschreiben, Beginn von „Scivias“
  6. 1147Papst Eugen III. erkennt ihre Schriften an
  7. 1150Umzug mit ihren Schwestern in das neue Kloster Rupertsberg bei Bingen
  8. 1158Beginn ihrer Predigtreisen
  9. 1165Gründung des zweiten Klosters in Eibingen bei Rüdesheim
  10. 1179Tod am 17. September auf dem Rupertsberg
  11. 2012Heiligsprechung und Erhebung zur Kirchenlehrerin

Kindheit: das zehnte Kind für Gott

Hildegard war das zehnte Kind ihrer Eltern. Es war im Mittelalter üblich, einen Teil des Besitzes, den „Zehnten“, der Kirche zu geben, und manche Familien gaben auch ein Kind. Mit acht Jahren wurde Hildegard der Adligen Jutta von Sponheim anvertraut, die auf dem Disibodenberg an der Nahe als Einsiedlerin lebte. Dort lernte sie Latein lesen, die Psalmen singen und das Leben nach der Regel des heiligen Benedikt.

Schon als kleines Kind hatte Hildegard Visionen. Sie sah ein helles Licht und Bilder, die andere nicht sahen. Jahrzehntelang erzählte sie kaum jemandem davon, aus Angst, man würde sie für verrückt halten. Heute vermuten manche Forscher, dass hinter ihren Lichtvisionen auch eine Form von Migräne mit Aura stecken könnte. Für Hildegard selbst waren sie Botschaften Gottes.

Das Leben in der Klause auf dem Disibodenberg

Der Disibodenberg war ein Männerkloster der Benediktiner. Für Jutta von Sponheim und ihre Schülerinnen wurde dort eine kleine Klause angebaut, eine Wohnstätte, die eng mit der Klosterkirche verbunden war. Das Leben dort war streng geregelt: Gebetszeiten bei Tag und Nacht, Lesungen, Handarbeit, Schweigen. Mit 14 oder 15 Jahren legte Hildegard ihr Gelübde ab. Viele Jahre lang lebte sie völlig zurückgezogen, lernte von Jutta, pflegte Kranke und beobachtete den Klostergarten mit seinen Heilpflanzen.

Diese Jahre waren keine verlorene Zeit, sondern Hildegards Lehrzeit. Hier lernte sie Latein, die Psalmen, die Musik und die Pflanzenkunde. Hier entwickelte sie die Disziplin, die sie später brauchte, um Bücher zu schreiben, Klöster zu führen und sich gegen mächtige Männer durchzusetzen. Als Jutta 1136 starb, wählten die Schwestern Hildegard einstimmig zu ihrer Nachfolgerin.

Mit 42 Jahren der große Durchbruch

1141, mit 42 Jahren, hörte Hildegard in einer Vision den Befehl, alles aufzuschreiben, was sie sieht. Zuerst zögerte sie und wurde krank. Erst als sie zu schreiben begann, ging es ihr besser. Zehn Jahre arbeitete sie an ihrem ersten Buch „Scivias“, was so viel heißt wie „Wisse die Wege“.

Der Mönch Volmar half ihr beim Aufschreiben. Einflussreiche Männer der Kirche wurden auf sie aufmerksam, darunter Bernhard von Clairvaux, einer der mächtigsten Geistlichen seiner Zeit. Bei einer Synode in Trier las Papst Eugen III. selbst aus ihren Texten vor und ermutigte sie, weiterzuschreiben. Damit war die Frau aus dem Kloster an der Nahe plötzlich in ganz Europa bekannt.

Hildegards Visionen: Was sie wirklich sah

Hildegards Visionen unterschieden sich von dem, was man sich gewöhnlich unter mittelalterlicher Mystik vorstellt. Sie fiel nicht in Trance, verlor nicht das Bewusstsein und hatte keine Ekstasen. Sie war hellwach, mit offenen Augen, und sah gleichzeitig die normale Welt und eine zweite Ebene dahinter. In einem Brief an den Mönch Guibert von Gembloux beschrieb sie im hohen Alter, sie sehe ständig ein Licht, das sie den „Schatten des lebendigen Lichts“ nannte. In diesem Licht erschienen ihr Bilder, Worte und Erkenntnisse. Manchmal sehe sie darin ein noch helleres Licht, und dann verschwinde alle Traurigkeit und aller Schmerz von ihr.

In „Scivias“ beschreibt sie 26 große Visionen in drei Büchern. Sie sieht die Schöpfung, den Fall des Menschen, die Kirche, die Erlösung und das Ende der Zeit, in prächtigen, oft rätselhaften Bildern: ein Berg aus Eisen, ein kosmisches Ei, eine Frau mit Türmen. Nach jeder Vision folgt eine lange Auslegung, die sie als direkt von Gott empfangen verstand. Ob man das religiös deutet, medizinisch mit Migräne erklärt oder als geniale Kreativität sieht: Die Bilder gehören zu den eindrucksvollsten der mittelalterlichen Kunst.

Das Kloster Rupertsberg und Eibingen

Auf dem Disibodenberg wurde es zu eng, auch weil immer mehr Frauen zu Hildegard kommen wollten. Sie beschloss, ein eigenes Kloster am Rupertsberg bei Bingen zu gründen. Die Mönche auf dem Disibodenberg waren dagegen, denn mit Hildegard verloren sie Ansehen und Geld. Hildegard setzte sich durch und zog um 1150 mit rund 20 Schwestern um. 1165 gründete sie auf der anderen Rheinseite ein zweites Kloster in Eibingen bei Rüdesheim.

Das Kloster Rupertsberg wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Die heutige Abtei St. Hildegard oberhalb von Eibingen entstand Anfang des 20. Jahrhunderts und ist bis heute ein lebendiges Benediktinerinnenkloster mit Klosterladen, Weingut und Besuchern aus aller Welt. In der Pfarrkirche von Eibingen werden ihre Reliquien aufbewahrt.

Der Umzug auf den Rupertsberg war anfangs alles andere als leicht. Das neue Kloster war noch kaum fertig, die Schwestern stammten aus wohlhabenden Familien und waren harte Arbeit nicht gewohnt. Einige verließen Hildegard wieder, andere beschwerten sich bitter über Armut und Enge. Zudem verweigerten die Mönche vom Disibodenberg zunächst die Herausgabe der Mitgift, die die Frauen einst ins Kloster eingebracht hatten. Hildegard verhandelte jahrelang zäh, bis das Kloster wirtschaftlich unabhängig war. Am Ende blühte der Rupertsberg auf und wurde zu einem der angesehensten Frauenklöster im ganzen Reich.

Hildegard von Bingen Bücher: ihre wichtigsten Werke

Werk Entstehung Inhalt
Scivias („Wisse die Wege“) 1141–1151 Ihre Visionen über Gott, Schöpfung und Erlösung
Liber vitae meritorum 1158–1163 Das Buch der Lebensverdienste über Tugenden und Laster
Liber divinorum operum 1163–1174 Das Buch der göttlichen Werke über Mensch und Kosmos
Physica um 1150–1160 Naturkunde über Pflanzen, Tiere, Steine und Metalle
Causae et curae um 1150–1160 Ursachen und Behandlung von Krankheiten
Symphonia und Ordo Virtutum ab 1150 Gesänge und das älteste bekannte Singspiel dieser Art

Hildegard Medizin: was wirklich von ihr stammt

Wenn heute von „Hildegard-Medizin“ die Rede ist, sind meist Dinkel, Bitterkraft, Nervenkekse oder Veilchencreme gemeint. Hier lohnt sich ein ehrlicher Blick. In ihren naturkundlichen Schriften beschreibt Hildegard tatsächlich hunderte Pflanzen und ihre Wirkung. Den Dinkel lobt sie als besonders bekömmliches Getreide, das den Menschen fröhlich mache. Muskatnuss, Zimt und Nelken empfiehlt sie gegen Bitterkeit im Herzen.

Die meisten heute verkauften Hildegard-Produkte und genauen Rezepte stammen aber nicht direkt von ihr. Sie wurden im 20. Jahrhundert vor allem von dem österreichischen Arzt Gottfried Hertzka und seinen Nachfolgern aus ihren Texten abgeleitet und weiterentwickelt. Wissenschaftlich belegt ist die Wirkung der meisten Mittel nicht. Das heißt nicht, dass ein Dinkelbrot oder ein Gewürzkeks schadet, aber Hildegard-Mittel ersetzen keinen Arzt.

Causae et curae: Hildegards Lehre von Gesundheit und Krankheit

In „Causae et curae“, Ursachen und Behandlungen, beschreibt Hildegard, wie der menschliche Körper funktioniert und warum Menschen krank werden. Sie folgt dabei der damals in ganz Europa verbreiteten Lehre von den vier Körpersäften und den vier Temperamenten. Krankheit entsteht nach dieser Lehre, wenn die Säfte aus dem Gleichgewicht geraten. Gesundheit bedeutet Maß und Ausgleich.

Bemerkenswert ist, wie offen und unbefangen Hildegard über den menschlichen Körper schreibt, auch über Sexualität, Schwangerschaft, Geburt und typische Frauenleiden. Für eine Nonne im 12. Jahrhundert war das außergewöhnlich. Sie beschreibt außerdem Charaktertypen von Männern und Frauen, ihre Stärken und Schwächen, ihre typischen Krankheiten. Vieles davon ist aus heutiger Sicht überholt, manches erstaunlich treffend beobachtet.

Eine wichtige Einschränkung: „Causae et curae“ ist nur in einer einzigen Handschrift aus dem 13. Jahrhundert überliefert, also rund 100 Jahre nach Hildegards Tod. Forscher sind sich deshalb nicht sicher, welche Teile wirklich von ihr stammen und welche später ergänzt wurden.

Die moderne Hildegard-Medizin: Hertzka und Strehlow

Dass Hildegard heute in Apotheken, Reformhäusern und Onlineshops so präsent ist, ist eine Entwicklung der letzten Jahrzehnte. Der österreichische Arzt Gottfried Hertzka begann in den 1970er-Jahren, Hildegards Schriften für die Praxis aufzubereiten, und entwickelte daraus ein ganzes System aus Ernährung, Fasten, Kräutermitteln und Lebensregeln. Sein Schüler Wighard Strehlow führte diese Arbeit fort. Unter dem Namen „Hildegard-Medizin“ entstanden Bücher, Kurse, Kurhäuser und eine ganze Produktwelt.

Historiker und Mediziner sehen das kritisch. Viele der heutigen Rezepte, Mengenangaben und Anwendungen stehen so nicht in Hildegards Texten, sondern sind Interpretationen. Für die meisten Mittel gibt es keine wissenschaftlichen Studien, die eine Wirkung belegen. Verbraucherschützer warnen zudem vor überteuerten Produkten mit großen Heilversprechen. Ehrlich betrachtet ist die Hildegard-Medizin eine Mischung aus mittelalterlicher Naturkunde, moderner Interpretation und gesundem Menschenverstand: viel Gemüse, Dinkel, Bewegung, Maßhalten. Das Letzte schadet niemandem.

Nervenkekse, Bitterkraft und Veilchencreme

  • Nervenkekse sind Dinkelplätzchen mit Muskat, Zimt und Nelken. Sie gehen auf Hildegards Beschreibung der Muskatnuss zurück, das genaue Rezept ist eine moderne Fassung.
  • Bitterkraft und Bittertropfen sind Mischungen aus Bitterkräutern, die heute zur Unterstützung der Verdauung verkauft werden. Bitterstoffe kannte Hildegard, das konkrete Produkt ist modern.
  • Veilchencreme wird heute als Hautpflege angeboten. Hildegard beschreibt das Veilchen in ihrer Pflanzenkunde, die Creme in heutiger Form ist ebenfalls eine Weiterentwicklung.
  • Löwenzahnhonig und viele weitere Rezepte unter ihrem Namen sind volkstümliche Rezepte, die ihr nachträglich zugeordnet wurden.

Nervenkekse nach Hildegard: ein verbreitetes Rezept

Die berühmten Nervenkekse, auch Gute-Laune-Kekse oder Energiekekse genannt, sind wohl das bekannteste Hildegard-Rezept überhaupt. Ein „Originalrezept“ mit genauen Mengen gibt es von Hildegard selbst nicht. In ihrer Naturkunde beschreibt sie nur, dass Muskatnuss, Zimt und Nelken, zu Pulver gemahlen und mit Mehl und Wasser zu Plätzchen verbacken, die Bitterkeit des Herzens mildern und die Sinne öffnen sollen. Alle heutigen Rezepte sind moderne Fassungen. Eine verbreitete Variante für etwa 60 Kekse:

  • 500 g Dinkelmehl
  • 250 g weiche Butter
  • 150 g Rohrohrzucker oder 120 g Honig
  • 100 g gemahlene Mandeln
  • 2 Eier
  • je 1 gestrichener Esslöffel gemahlener Zimt und frisch geriebene Muskatnuss
  • 1 gestrichener Teelöffel gemahlene Nelken
  • 1 Prise Salz

Alle Zutaten zu einem glatten Teig verkneten, eine Stunde kühl stellen, etwa einen halben Zentimeter dick ausrollen, Plätzchen ausstechen und bei 180 Grad Ober- und Unterhitze rund 10 bis 12 Minuten backen, bis die Ränder leicht braun werden.

Wichtig zur Wirkung: Dass Nervenkekse Nerven stärken oder die Stimmung heben, ist wissenschaftlich nicht belegt. Und Muskatnuss ist in größeren Mengen giftig. Iss deshalb nicht mehr als wenige Kekse am Tag. Für Kinder, Schwangere und Stillende sind stark gewürzte Muskatkekse nicht geeignet. Als würziges Wintergebäck sind sie aber ein Genuss, und genau dafür lohnen sie sich.

Hildegard-Fasten: Fastenkur und Fastensuppe

Hildegard schätzte das Fasten als Weg, Körper und Seele zu reinigen und sich neu auf Gott auszurichten. Sie warnte aber auch vor Übertreibung: Wer zu streng fastet, wird nach ihrer Lehre schwach und verdrießlich. Das moderne Hildegard-Fasten geht wieder auf die Hertzka-Schule zurück. Es ist kein reines Wasserfasten, sondern eine milde Form mit Dinkel, Gemüse, Kräutertees und Obst.

Herzstück ist die Hildegard-Fastensuppe: eine Gemüsebrühe mit Dinkelkörnern oder Dinkelgrieß, Fenchel, Karotten, Sellerie und Kürbis, gewürzt mit typischen Hildegard-Kräutern wie Galgant, Bertram und Quendel. Dazu gibt es meist Dinkelkaffee, Fencheltee und gedünstete Äpfel. Eine typische Fastenkur dauert eine Woche und wird in vielen Klöstern und Gästehäusern als begleitetes Programm angeboten.

Wer gesund ist, kann eine milde Fastenwoche gut selbst ausprobieren. Bei Vorerkrankungen, Untergewicht, in der Schwangerschaft oder bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme gehört jedes Fasten vorher mit dem Arzt besprochen.

So läuft eine Fastenwoche nach Hildegard ab

Eine klassische Hildegard-Fastenwoche folgt meist einem festen Rhythmus. Am ersten Tag, dem Entlastungstag, gibt es nur leichte Kost wie Dinkelbrei, gedünstetes Gemüse und Obst. Danach beginnen die eigentlichen Fastentage: morgens Fencheltee oder Dinkelkaffee, mittags und abends die Fastensuppe, dazwischen viel Kräutertee und Wasser, gelegentlich etwas Obstsaft. Zum Programm gehören Spaziergänge an der frischen Luft, Ruhe, Gebet oder Meditation und bewusstes Schweigen.

Am Ende steht das Fastenbrechen, traditionell mit einem gedünsteten Apfel oder einer Scheibe Dinkelbrot, danach werden über zwei bis drei Aufbautage wieder normale Mahlzeiten eingeführt. Viele Teilnehmer berichten, dass sie sich danach klarer und leichter fühlen. Wissenschaftlich gilt Heilfasten für gesunde Erwachsene als gut verträglich, für die besonderen Hildegard-Zutaten gibt es aber keine Belege. Der größte Gewinn liegt wohl im Innehalten selbst: eine Woche bewusst weniger, langsamer und stiller.

Hildegards Kräuter und Gewürze im Überblick

Hildegard beschreibt in der „Physica“ hunderte Pflanzen. Einige davon sind heute fester Bestandteil der Hildegard-Küche:

Pflanze Was Hildegard darüber schreibt Heutige Verwendung
Dinkel Das beste Getreide, macht froh und gibt gutes Blut Brot, Grieß, Kaffee-Ersatz, Fastensuppe
Galgant Wärmend, gut für das Herz Gewürz, Tabletten in der Hildegard-Medizin
Bertram Reinigt und fördert eine gute Verdauung Gewürzpulver, über Speisen gestreut
Quendel (Feldthymian) Hilft gegen Hautleiden Gewürz für Suppen und Gemüse
Fenchel Macht fröhlich und gibt eine gute Verdauung Tee, Gemüse, Samen zum Kauen
Edelkastanie Gut für fast alle Schwächen Maronen, Kastanienmehl
Lungenkraut Gegen Beschwerden der Lunge Lungenkraut-Trank als Hausmittel
Weinraute und Wermut Starke Bitterkräuter gegen Schwermut und Verdauungsleiden Wermutwein, Bittermischungen
Veilchen Gegen Schwellungen und Hautprobleme Veilchensalbe und Veilchencreme

Wichtig: Diese Angaben beschreiben, was Hildegard vor über 850 Jahren geglaubt hat, nicht, was heute medizinisch belegt ist. Weinraute und Wermut können in größeren Mengen sogar schädlich sein.

Die Naturforscherin: Steine, Tiere und Fische

Hildegards „Physica“ ist eines der ersten naturkundlichen Bücher, das in Deutschland von einer Frau geschrieben wurde. Es beschreibt nicht nur rund 230 Pflanzen, sondern auch Bäume, Edelsteine, Metalle, Fische, Vögel, Säugetiere und Reptilien. Zu vielen Pflanzen nennt sie die deutschen Volksnamen, die damals gebräuchlich waren, eine wertvolle Quelle für Sprachforscher. Bei den Fischen beschreibt sie erstaunlich genau, welche Arten im Rhein und in der Nahe leben, wo sie laichen und wie sie schmecken.

Besonders bekannt ist heute die sogenannte Hildegard-Edelsteinkunde. Hildegard beschreibt darin, welche Steine welche Kräfte haben sollen, etwa der Jaspis, der Smaragd oder der Achat. Auch hier gilt: Das ist mittelalterlicher Glaube, keine belegte Heilwirkung. Spannend bleibt, wie genau Hildegard ihre Umwelt beobachtet hat, in einer Zeit ohne Mikroskop und ohne Labor.

Hildegard-Rezepte für jeden Tag

Wer die Hildegard-Küche einfach mal ausprobieren will, braucht keine teuren Spezialprodukte. Diese Klassiker kannst du mit Zutaten aus dem Supermarkt nachkochen:

  • Habermus zum Frühstück: Dinkelschrot oder Dinkelgrieß in Wasser aufkochen, mit geriebenem Apfel, etwas Zimt und Honig verfeinern. Ein warmer, sättigender Start in den Tag.
  • Dinkelbrot: Brot aus Dinkelvollkornmehl, gern mit Fenchelsamen gewürzt.
  • Fencheltee: Fenchelsamen kurz anstoßen, mit heißem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen.
  • Gemüsesuppe mit Dinkel: Karotten, Sellerie, Fenchel und Lauch mit Dinkelkörnern weich kochen, mit Quendel und einer Prise Galgant würzen.
  • Maronen: Hildegard schätzte die Edelkastanie sehr, geröstet sind Maronen ein einfacher Snack im Herbst.

Der Grundgedanke dahinter ist simpel und vernünftig: warm, einfach, saisonal und nicht zu viel. Genau das, was Ernährungsfachleute heute auch empfehlen.

Herzwein, Hirschzungenelixier und weitere Hildegard-Mittel

Neben Keksen und Tees gehören einige Elixiere zu den bekanntesten Hildegard-Rezepten:

  • Petersilien-Honig-Wein (Herzwein): Frische Petersilie wird mit Wein, etwas Essig und Honig aufgekocht. Hildegard empfiehlt ihn bei Herzschmerzen. Wer Herzbeschwerden hat, gehört allerdings zum Arzt, nicht an den Kochtopf.
  • Hirschzungenelixier: Ein Auszug aus dem Hirschzungenfarn in Wein, der nach der Hildegard-Lehre Lunge, Leber und Darm stärken soll.
  • Wermutwein: Ein bitterer Kräuterwein, traditionell im Frühjahr getrunken.
  • Knochenbrühe und Kalbsfußbrühe: Kräftige Brühen, die in der modernen Hildegard-Küche für Gelenke und Knochen empfohlen werden.
  • Bitterkraft: Eine moderne Kräutermischung mit Bitterstoffen. Behauptungen, sie helfe beim Abnehmen oder in den Wechseljahren, sind nicht wissenschaftlich belegt.

Die Komponistin: Musik aus dem 12. Jahrhundert

Hildegard ist eine der ersten Komponistinnen der Musikgeschichte, deren Name und Werke bis heute bekannt sind. Rund 77 Gesänge sind von ihr überliefert, dazu „Ordo Virtutum“, ein Singspiel über den Kampf der Tugenden um die Seele. Ihre Melodien sind ungewöhnlich weit geschwungen und klingen für damalige Verhältnisse fast wild. Heute gibt es zahlreiche Aufnahmen, und ihre Musik wird weltweit in Konzerten gesungen.

Die Predigtreisen: Eine Nonne spricht öffentlich

Zwischen 1158 und 1171 unternahm Hildegard vier große Predigtreisen, obwohl sie bereits zwischen 60 und 73 Jahre alt war und oft krank. Sie fuhr mit dem Schiff den Main hinauf, reiste nach Lothringen, an den Niederrhein bis nach Köln und nach Schwaben. Sie predigte vor Mönchen, Nonnen, Geistlichen und Laien, in Klöstern ebenso wie auf öffentlichen Plätzen. Das war für eine Frau im Mittelalter nahezu unerhört, denn öffentliches Predigen war eigentlich Männern vorbehalten.

Ihre Predigten waren kein sanftes Zureden. Sie kritisierte offen den Lebenswandel der Geistlichen, ihre Gier, ihre Bequemlichkeit und ihre Gleichgültigkeit gegenüber den Menschen. Gleichzeitig warnte sie vor den Katharern, einer Bewegung, die sie als Irrlehre ansah. Viele ihrer Zuhörer baten sie anschließend, ihnen die Predigten schriftlich zu schicken, damit sie sie noch einmal lesen konnten.

Hildegard von Bingen Musik: Aufnahmen zum Hören

Lange war Hildegards Musik fast vergessen. Das änderte sich 1982 mit der Aufnahme „A Feather on the Breath of God“ des britischen Ensembles Gothic Voices. Die CD verkaufte sich hunderttausendfach und machte Hildegard weltweit zu einem Begriff, weit über die Kirchenmusik hinaus. Seitdem haben viele Ensembles ihr Werk eingespielt, das deutsche Ensemble Sequentia sogar ihre sämtlichen Gesänge. Wer Hildegards Musik zum ersten Mal hört, merkt schnell: Sie klingt meditativ, schwebend und erstaunlich modern. Viele nutzen sie heute zum Meditieren, Entspannen oder Arbeiten.

Viriditas: Hildegards Idee von der Grünkraft

Ein Wort, das bei Hildegard immer wieder auftaucht, ist „Viriditas“, die Grünkraft. Gemeint ist die Lebenskraft, die alles Lebendige wachsen, blühen und gesund sein lässt, Pflanzen ebenso wie Menschen. Für Hildegard war diese Kraft ein Geschenk Gottes, das in der ganzen Schöpfung steckt. Ein Mensch, der seine Grünkraft verliert, wird nach ihrer Lehre müde, krank und trocken, innerlich wie äußerlich. Heute wird der Begriff oft mit einem ganzheitlichen Blick auf Gesundheit verbunden: Natur, Ernährung, Bewegung, Ruhe und Spiritualität gehören zusammen. Diesen Gedanken kannst du auch ohne Glauben für dich nutzen: Was gibt dir Kraft, was nimmt sie dir?

Lingua ignota: Hildegards Geheimsprache

Hildegard erfand sogar eine eigene Sprache, die „Lingua ignota“, die unbekannte Sprache. Sie umfasst über 1.000 Wörter mit eigenen Begriffen für Gott, Engel, Körperteile, Pflanzen und Alltagsgegenstände, dazu ein eigenes Alphabet. Wozu genau sie die Sprache nutzte, ist bis heute ein Rätsel. Vielleicht diente sie der Gemeinschaft ihrer Schwestern als geheime Sprache, vielleicht war sie ein Versuch, eine reinere, himmlische Sprache zu schaffen. Manche nennen sie deshalb eine der ersten Kunstsprachen der Geschichte.

Richardis von Stade: Hildegards größter Schmerz

Eine der berührendsten Episoden in Hildegards Leben ist die Geschichte von Richardis von Stade. Die junge Adlige war ihre engste Vertraute und half ihr beim Schreiben von „Scivias“. Hildegard liebte sie wie eine Tochter. Als Richardis um 1151 zur Äbtissin eines anderen Klosters gewählt wurde, wollte Hildegard sie nicht gehen lassen. Sie schrieb an Erzbischöfe und sogar an den Papst, um den Wechsel zu verhindern, ohne Erfolg. Richardis ging, und schon im folgenden Jahr starb sie. Hildegards Briefe aus dieser Zeit zeigen eine Frau voller Trauer, die sich am Ende fragt, ob sie Richardis zu sehr an sich binden wollte. Es ist einer der wenigen Momente, in denen die große Äbtissin ganz menschlich verletzlich wird.

Hildegards Briefwechsel mit den Mächtigen

Von Hildegard sind rund 390 Briefe erhalten, eine riesige Sammlung für das 12. Jahrhundert. Sie schrieb an Päpste, Kaiser, Könige, Bischöfe, Äbte, Nonnen und einfache Gläubige, die sie um Rat baten. Der erste bekannte Brief ging um 1146 an Bernhard von Clairvaux, den damals berühmtesten Mönch Europas. Darin fragte sie vorsichtig, ob sie ihre Visionen veröffentlichen dürfe. Bernhard antwortete kurz, aber ermutigend.

Später war von Vorsicht wenig zu spüren. Hildegard schrieb Bischöfen, sie sollten ihre Pflichten nicht vernachlässigen, und warnte Mönche vor Bequemlichkeit und Gier. Sie schrieb an Königin Eleonore von England und an viele andere Herrscher. Ihre Briefe verbinden Trost und Strenge, Poesie und klare Kritik. Sie zeigen eine Frau, die sich ihrer Verantwortung bewusst war und dafür keine Rücksicht auf Rang und Namen nahm.

Eine Frau, die Kaisern widersprach

Hildegard schrieb hunderte Briefe an Päpste, Bischöfe, Könige und einfache Menschen. Auch Kaiser Friedrich Barbarossa bekam Post von ihr, und als er einen Gegenpapst unterstützte, warnte sie ihn scharf. Mit fast 60 Jahren ging sie auf Predigtreisen durch Deutschland und sprach öffentlich in Kirchen und auf Marktplätzen, für eine Frau im Mittelalter fast unvorstellbar. Kurz vor ihrem Tod verhängte die Kirche ein Verbot über ihr Kloster, weil sie einen Toten auf dem Klosterfriedhof begraben hatte, den die Kirche für exkommuniziert hielt. Hildegard weigerte sich, ihn wieder ausgraben zu lassen, und setzte sich am Ende durch.

Hildegard von Bingen Bilder: die berühmten Visionsbilder

Ein Porträt im heutigen Sinn gibt es von Hildegard nicht. Die bekanntesten Bilder stammen aus den Handschriften ihrer Werke. Im Rupertsberger Codex von „Scivias“ zeigt die erste Miniatur Hildegard selbst, wie sie in ihrer Zelle sitzt, Feuerzungen auf dem Kopf, und ihre Visionen auf Wachstafeln schreibt, während der Mönch Volmar durch ein Fenster schaut. Weitere Bilder zeigen den Kosmos als Ei, die Schöpfung und den Menschen im Zentrum des Universums.

Das Original des Rupertsberger Codex ging im Zweiten Weltkrieg verloren, als es zur Sicherheit nach Dresden gebracht worden war. Zum Glück hatten die Schwestern der Abtei St. Hildegard zuvor eine originalgetreue Abschrift von Hand angefertigt, die bis heute erhalten ist. Die Bilder aus ihrem letzten Werk, dem „Buch der göttlichen Werke“, befinden sich in einer Handschrift in Lucca in Italien.

Auf Hildegards Spuren: Kloster, Museum und Pilgerweg

Wer Hildegard näherkommen will, findet an Rhein und Nahe viele Orte:

  • Abtei St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen: Die Benediktinerinnen leben bis heute nach der Regel des heiligen Benedikt, betreiben ein Weingut und einen Klosterladen und bieten Gästen eine „Auszeit im Kloster“ an.
  • Pfarrkirche in Eibingen: Hier werden Hildegards Reliquien in einem goldenen Schrein aufbewahrt.
  • Disibodenberg an der Nahe: Die Ruinen des Klosters, in dem Hildegard fast 40 Jahre lebte, liegen eindrucksvoll in den Weinbergen.
  • Museum am Strom in Bingen: mit einer Ausstellung über Hildegards Leben und ihre Heilkunde.
  • Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg: ein Fernwanderweg von Idar-Oberstein über den Disibodenberg bis nach Bingen, entlang der Stationen ihres Lebens.

Vision: der Film über Hildegard von Bingen

2009 brachte die Regisseurin Margarethe von Trotta „Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen“ ins Kino, mit Barbara Sukowa in der Hauptrolle. Der Film erzählt Hildegards Weg vom Kind auf dem Disibodenberg über ihre ersten Visionen bis zur Gründung ihres eigenen Klosters. Er zeigt sie als kluge, ehrgeizige und manchmal auch eigensinnige Frau, die sich gegen Mönche, Bischöfe und Zweifel durchsetzt. Wer einen Einstieg in Hildegards Leben sucht, findet mit diesem Film einen guten und gut recherchierten Anfang.

Woran ist Hildegard von Bingen gestorben?

Hildegard von Bingen starb am 17. September 1179 im Alter von 81 Jahren im Kloster Rupertsberg. Eine konkrete Todesursache ist nicht überliefert. Für das Mittelalter war das ein sehr hohes Alter, und Berichte sprechen davon, dass sie friedlich im Kreis ihrer Schwestern starb. Schon kurz nach ihrem Tod wurde sie als Heilige verehrt, offiziell heiliggesprochen wurde sie aber erst 2012.

Ihre Lebensbeschreibung erzählt, dass in der Nacht ihres Todes zwei helle Lichtbögen über ihrer Zelle am Himmel erschienen sein sollen, die sich zu einem Kreuz verbanden. Ob Legende oder Wahrheit, das Bild zeigt, wie sehr die Menschen sie schon damals verehrten. Mehrere Versuche einer offiziellen Heiligsprechung im Mittelalter scheiterten an Formfehlern und Bürokratie. In Deutschland wurde sie aber jahrhundertelang wie eine Heilige verehrt, bevor Papst Benedikt XVI. das 2012 mit einer sogenannten äquipollenten Heiligsprechung offiziell machte.

Hildegard von Bingen Zitate

Von Hildegard stammen viele kraftvolle Gedanken über die Seele, die Natur und die Lebenskraft, die sie „Viriditas“ nannte, die Grünkraft. Im Netz kursieren aber auch viele Sprüche unter ihrem Namen, die in ihren Schriften nicht vorkommen. Darum prüfen wir jedes Zitat, bevor wir daraus ein Zitatbild machen.

Hildegard und das Frauenbild ihrer Zeit

Hildegard wird heute oft als frühe Feministin gefeiert. Das stimmt nur zum Teil. Sie war überzeugt, dass Gott ausgerechnet durch eine schwache Frau spricht, weil die Männer der Kirche ihre Aufgabe vernachlässigen. Damit stellte sie die damalige Ordnung infrage, ohne sie offen anzugreifen. Gleichzeitig nannte sie sich selbst immer wieder ein „armes, kleines Weib“, ungebildet und schwach, eine Bescheidenheitsformel, die sie klug einsetzte, um überhaupt gehört zu werden.

Sie gründete eigene Frauenklöster, setzte sich gegen Mönche durch und sprach öffentlich. Für Frauen, die aus Liebe zu Gott ins Kloster gingen, schuf sie Räume, in denen sie lesen, schreiben, singen und forschen konnten. Eine Revolution der Geschlechterrollen wollte sie nicht, aber sie hat im Rahmen ihrer Möglichkeiten weit mehr erreicht, als für eine Frau ihrer Zeit vorgesehen war.

Warum Hildegard heute so populär ist

Kaum eine Frau des Mittelalters ist heute so bekannt wie Hildegard von Bingen. Das hat mehrere Gründe. Ihre Verbindung von Natur, Ernährung und Spiritualität trifft den Nerv einer Zeit, in der viele Menschen nach Ganzheitlichkeit und Entschleunigung suchen. Ihre Musik klingt für moderne Ohren meditativ und zeitlos. Und ihre Lebensgeschichte, eine Frau, die sich in einer Männerwelt durchsetzt, spricht viele Menschen an, egal ob gläubig oder nicht.

Dazu kommt ein kommerzieller Grund: Ihr Name verkauft sich gut, von Keksen über Tees bis zu Kosmetik. Gerade deshalb lohnt es sich, zwischen der historischen Hildegard und der modernen Marke zu unterscheiden. Die echte Hildegard ist spannender als jedes Produkt, das ihren Namen trägt.

Kritik und Schattenseiten

Hildegard war eine Frau ihrer Zeit. In ihr Kloster nahm sie fast nur Frauen aus adeligen Familien auf und verteidigte das ausdrücklich gegen Kritik. Ihre Medizin beruhte auf der Lehre von den vier Körpersäften, die heute als überholt gilt. Und dass ihr Name heute auf vielen Produkten mit großen Heilversprechen steht, hat mit der echten Hildegard oft wenig zu tun.

Was Hildegards Gesundheitslehre heute noch taugt

Auch wer der Hildegard-Medizin skeptisch gegenübersteht, kann aus Hildegards Denken viel mitnehmen. Ihr wichtigstes Prinzip war die „Discretio“, das rechte Maß. Zu viel Arbeit macht krank, zu wenig ebenso. Zu viel Essen schadet, zu strenges Fasten auch. Schlaf, Bewegung, frische Luft, gutes Essen, Gebet oder Meditation, Gemeinschaft und sinnvolle Arbeit sollten im Gleichgewicht sein. Genau dieses Gleichgewicht ist es, wonach viele Menschen in unserer überfordernden Zeit suchen.

Hildegard sah den Menschen außerdem als Einheit. Seelische Belastungen wie Traurigkeit, Zorn oder Schwermut konnten nach ihrer Lehre körperlich krank machen, und körperliche Leiden drückten auf die Seele. Was im 12. Jahrhundert religiös begründet war, bestätigt die moderne Psychosomatik heute auf ihre Weise: Körper und Psyche lassen sich nicht trennen.

Häufige Fragen zu Hildegard von Bingen

Wann lebte Hildegard von Bingen? Von 1098 bis 1179, also im Hochmittelalter.

Wo wurde Hildegard von Bingen geboren? In Rheinhessen, vermutlich in Bermersheim vor der Höhe.

Woran starb Hildegard von Bingen? Eine konkrete Todesursache ist nicht überliefert. Sie starb mit 81 Jahren friedlich im Kloster Rupertsberg.

Ist Hildegard von Bingen eine Heilige? Ja. Papst Benedikt XVI. sprach sie 2012 offiziell heilig und ernannte sie zur Kirchenlehrerin.

Gibt es ein Originalrezept für Nervenkekse? Nein. Hildegard nennt nur die Gewürze Muskat, Zimt und Nelken. Alle Rezepte mit Mengenangaben sind moderne Fassungen.

Hilft Bitterkraft beim Abnehmen? Dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg.

Welches Kloster gehört zu Hildegard von Bingen? Sie gründete die Klöster Rupertsberg bei Bingen und Eibingen bei Rüdesheim. Heute lebt ihre Tradition in der Abtei St. Hildegard in Eibingen weiter.

Welche Bücher hat Hildegard von Bingen geschrieben? Unter anderem Scivias, Liber vitae meritorum, Liber divinorum operum, Physica und Causae et curae.

Wer war Hildegard von Bingen? Eine Benediktinerin, Äbtissin, Mystikerin, Naturkundlerin und Komponistin aus dem 12. Jahrhundert, eine der einflussreichsten Frauen des Mittelalters.

Wirken Nervenkekse wirklich? Eine nervenstärkende Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt. Als würziges Gebäck in kleinen Mengen sind sie unbedenklich, wegen der Muskatnuss aber nicht für Kinder und Schwangere geeignet.

Was ist Veilchencreme? Eine moderne Hautpflege, die sich auf Hildegards Beschreibung des Veilchens beruft. Eine besondere Heilwirkung ist nicht belegt.

Was ist Galgant? Eine ingwerähnliche Wurzel aus Asien, die Hildegard als wärmendes Mittel für das Herz beschreibt. Heute wird sie vor allem als Gewürz verwendet.

Wo kann ich Hildegards Musik hören? Auf zahlreichen Aufnahmen, besonders bekannt sind „A Feather on the Breath of God“ von Gothic Voices und die Gesamtaufnahme des Ensembles Sequentia.

Gibt es einen Film über Hildegard von Bingen? Ja, „Vision“ von Margarethe von Trotta aus dem Jahr 2009.

Was du von Hildegard von Bingen lernen kannst

  • Es ist nie zu spät. Ihr erstes Buch begann sie mit 42, ihre Predigtreisen mit fast 60.
  • Steh zu deiner Stimme. Sie schrieb Kaisern und Päpsten, was sie dachte.
  • Geh deinen eigenen Weg. Gegen den Widerstand der Mönche gründete sie ihr eigenes Kloster.
  • Sieh das Ganze. Für sie gehörten Körper, Geist, Natur und Glaube zusammen.
  • Sei vielseitig. Sie war Äbtissin, Autorin, Heilkundige und Komponistin zugleich.

Warum Hildegard von Bingen ein echter Motivationsheld ist

Hildegard von Bingen hätte ein stilles Leben hinter Klostermauern führen können, so wie es für sie vorgesehen war. Stattdessen wurde sie eine der einflussreichsten Frauen des Mittelalters, weil sie irgendwann aufhörte, sich zu verstecken. Wenn du dich fragst, ob es für deinen Neuanfang zu spät ist, dann denk an die Frau, die mit 42 ihr erstes Buch begann und mit über 60 noch durchs Land zog, um gehört zu werden.