Sonnenaufgang über Oʻahus Nordküste, Salzwasser noch in den Haaren, das Dröhnen eines frisch getunten Motors aus der Garage nebenan – für Big Kahuna beginnt jeder Tag mit demselben Widerspruch, den er längst zu seiner Stärke gemacht hat: Wellen reiten und Motoren tunen, zwei Welten, die eigentlich nicht zusammenpassen sollten. Als Gesicht der Street-FX-Crew hat er bewiesen, dass man sich nicht entscheiden muss – solange man bereit ist, für beides früh aufzustehen. Wer ihn einmal getroffen hat, weiß: Dieser Mann lebt nach eigenen Regeln.
Du kannst die Welle nicht stoppen!

Der Satz stammt von Jon Kabat-Zinn, dem Begründer der modernen Achtsamkeitsbewegung – aber Big Kahuna kannte ihn lange bevor er wusste, wer ihn gesagt hatte. Sein Vater rief ihm die Worte nach seinem ersten großen Wipeout an der Nordküste zu, damals war Kahuna zwölf. Erst Jahre später, als er sich selbst mit Achtsamkeit beschäftigte, erkannte er, wie tief dieser eine Satz eigentlich geht.
Für ihn ist das kein reiner Surf-Spruch, sondern eine Lebensregel: Man kann nicht kontrollieren, was auf einen zukommt – schlechtes Wetter, ein verpatzter Job, ein Rückschlag beim Training. Aber man kann lernen, wie man sich dazu verhält. Genau das versucht er jeden Tag zu leben: nicht gegen die Welle ankämpfen, sondern die eigene Balance finden, egal wie unruhig das Wasser gerade ist. Wenn er heute jüngeren Surfern etwas beibringt, ist dieser Satz meistens das Erste, was er ihnen mit auf den Weg gibt.
Sein Truck, sein Statement
Wer Big Kahuna kennt, kennt auch seinen Toyota Tacoma TRD Pro Widebody – ein umgebautes Statement auf vier Rädern, das genauso viel über ihn erzählt wie jede Story, die man über ihn hört.
- Design: Hawaii-Flaggen-Lackierung, handgemalt statt foliert – Kahuna wollte, dass man sieht, dass da echte Arbeit drinsteckt
- Unterbodenlicht: Neon-Beleuchtung, die nachts durch Honolulu leuchtet wie eine zweite Sonne
- Herkunft: Ursprünglich der alte Werkstatt-Truck seines Vaters, den Kahuna Stück für Stück selbst wieder aufgebaut hat
- Bedeutung: Kein reines Show-Fahrzeug – er nimmt ihn genauso zum Surfboard-Transport wie zum Cruisen mit der Crew
Für ihn ist der Truck mehr als ein Fahrzeug – ein rollendes Bekenntnis zur hawaiianischen Aloha-Kultur, gebaut aus Respekt vor der Herkunft und der Freude an Geschwindigkeit.
Die Geschichte hinter Big Kahuna
Wer Big Kahuna heute auf der Straße oder im Wasser sieht, sieht einen Mann, der genau zu wissen scheint, wer er ist. Was man nicht sieht: Wie viele Jahre es gedauert hat, bis er dahin kam.
Aufgewachsen ist er an der Nordküste von Oʻahu, in einem kleinen Haus, das man vom Highway aus kaum sah – dafür aber das Meer hörte, jeden Abend, wenn der Wind drehte. Sein Vater betrieb eine kleine Werkstatt, in der die halbe Surf-Community ihre Trucks reparieren ließ, seine Mutter war selbst Wettkampf-Surferin gewesen, bevor eine Verletzung ihre Karriere beendete. Zwei Welten, die für die meisten Kinder nichts miteinander zu tun gehabt hätten – für Kahuna wurden sie zu seinem Zuhause.
Schon mit sechs Jahren stand er auf dem Board seines Vaters, viel zu groß für ihn, die Füße kaum in der richtigen Position. Er fiel öfter, als er stand. Aber er stand immer wieder auf. Mit acht saß er zum ersten Mal unter einer Motorhaube, hielt seinem Vater Werkzeug, lernte, wie man einen Motor am Klang erkennt, noch bevor er wusste, wie man ihn selbst repariert. Zwei Sprachen lernte er gleichzeitig sprechen: die der Wellen und die der Maschinen.
Die Familie lebte nach einem Prinzip, das in Hawaii jeder kennt, aber nicht jeder wirklich lebt: Ohana. Nicht nur Familie im engen Sinn, sondern die Überzeugung, dass niemand allein durchs Leben geht – dass man füreinander da ist, ohne dass man danach gefragt werden muss. Kahunas Großmutter erzählte ihm oft von den Großen vor ihm: von hawaiianischen Schwimmern und Surfern, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts der Welt zeigten, was ihre Insel an Talent und Stolz zu bieten hatte. Namen, die im Familienalbum auftauchten, mehr Legende als Beweis – aber genug, um in einem Jungen das Gefühl zu wecken, dass er aus etwas Größerem kam.
Der eigentliche Wendepunkt kam mit siebzehn. Ein Wettkampf, auf den Kahuna monatelang hingearbeitet hatte, ging katastrophal schief – ein Sturz in der ersten Runde, eine Schulterverletzung, die ihn für ein ganzes Jahr aus dem Wasser hielt. Für viele wäre das ein Grund gewesen aufzugeben. Für Kahuna wurde es zum eigentlichen Anfang seiner Geschichte.
Während er nicht surfen konnte, verbrachte er jede freie Minute in der Werkstatt seines Vaters. Was als reine Ablenkung begann, wurde zur zweiten großen Leidenschaft: Er begann, an alten Trucks zu schrauben, sie umzubauen, ihnen einen eigenen Charakter zu geben. Der Tacoma, den er heute fährt, war der erste, an dem er wirklich alles selbst gemacht hat – von der Aufhängung bis zur Lackierung. Er nannte es später selbst seine „verletzungsbedingte Erleuchtung“: Er hatte gelernt, dass man nicht nur eine Sache lieben muss, um ganz zu sein.
Als seine Schulter verheilt war, kehrte er ins Wasser zurück – aber verändert. Er surfte nicht mehr, um zu gewinnen. Er surfte, weil es sich richtig anfühlte. Diese Verschiebung, weg vom reinen Ehrgeiz hin zu echter Verbundenheit mit dem, was er tut, ist bis heute der Kern dessen, wofür Big Kahuna steht.
Heute ist er kein Wettkampf-Surfer mehr, sondern so etwas wie ein informeller Mentor für jüngere Talente an der Nordküste. Fast jeden Morgen steht er mit einer kleinen Gruppe Jugendlicher im Wasser, bevor die Sonne richtig hoch steht – nicht als bezahlter Coach, sondern weil ihm jemand früher genau das geschenkt hat: Zeit und Geduld. Nachmittags steht er oft in seiner eigenen kleinen Garage, hilft Freunden bei ihren Trucks, tauscht Geschichten aus, während Werkzeug von Hand zu Hand wandert.
Was Big Kahuna so besonders macht, ist nicht, dass er zwei Leidenschaften verbindet – das könnten viele. Es ist, dass er nie versucht hat, sich für eine zu entscheiden, obwohl ihm das oft nahegelegt wurde. „Konzentrier dich auf eine Sache“ hat er oft genug gehört. Seine Antwort darauf ist sein ganzes Leben: Man muss sich nicht entscheiden. Man muss nur bereit sein, für beides hart zu arbeiten.
Wenn Kahuna heute jemandem begegnet, der gerade durch eine schwierige Phase geht – eine Verletzung, einen Rückschlag, das Gefühl, nicht zu wissen, wohin die eigene Reise geht – erzählt er selten direkt von sich. Stattdessen fragt er meistens nur eines: „Hast du heute schon die Welle gesehen, die gerade kommt?“ Es ist seine Art zu sagen: Du kannst nicht kontrollieren, was passiert. Aber du kannst entscheiden, wie du darauf reagierst. Genau das ist es, was er jeden Tag lebt – am Strand, unter der Motorhaube, und überall dazwischen.
